Gleichbehandlung für Lehrer

16. Juni 2006, 11:37
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In den Volksschulen fehlen männliche Pädagogen. Eine Bevorzugung von Männern sei durchaus gesetzeskonform, meint die Gleichbehandlungsanwältin in Oberösterreich

Linz - Damit die Ausnahme nicht zur Regel wird, hat Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer den Vorstoß gewagt: Männliche Lehrer sollen ab kommendem Schuljahr sofort eine Anstellung an Pflichtschulen erhalten (DER STANDARD berichtete). Nur noch zehn Prozent des Lehrpersonals an oberösterreichischen Volksschulen sind männlich, an den Hauptschulen wenigstens noch ein Drittel.

Einer der Gründe für den Lehrermangel sieht Enzenhofer in dem veränderten Anforderungsprofil an die PädagogInnen. "Der Lehrberuf entwickelt sich immer mehr in Richtung Sozialberuf". Und dieser Bereich sei typisch weiblich. Dass der geringe Verdienst eine weitere Ursache für das gesunkene Interesse am Lehrberuf sei, will er nicht gelten lassen. Bei 1800 Euro brutto liege das Einstiegsgehalt bei einer vollen Lehrverpflichtung an einer oberösterreichischen Volksschule. Eine AHS-Lehrer verdiene 2050 Euro, habe aber ein abgeschlossenes Hochschulstudium, gibt der Landesschulratspräsident zu Bedenken. Im AHS-Bereich fehlen jedoch keine männlichen Pädagogen.

Um das Missverhältnis zwischen Lehrern und Lehrerinnen an Pflichtschulen zu beseitigen, will Enzenhofer eine Umreihung auf der Anstellungs-Warteliste für das nächste Schuljahr durchsetzen. Ein, wie er meint, schwerer Weg, so wisse er nur von einem Fall in den vergangenen 15 Jahren, bei dem die Objektivierungskommission eine Lehrerin bei der Anstellung vorgezogen habe.

Männerlose Schule

Die Kommission bestellt die LandeslehrerInnen gemäß der Reihenfolge besagter Liste. Die Chance, jene 14 Männer, die auf der Warteliste für 317 angehende Volksschullehrer stehen, im Herbst übernehmen zu können, sieht er dennoch als gegeben. Schließlich führe der Lehrermangel zu Konsequenzen in der Entwicklung der Kinder. Dem Volksschüler fehle zusehends die männliche Komponente in der Pädagogik. Diese sei um so wichtiger, da immer mehr Kinder bei den Müttern aufwachsen, und ihnen der Alltag mit dem Vater fehle, lautet die inhaltliche Argumentation.

Rechtlich gesehen scheint eine Bevorzugung der Männer auch vertretbar zu sein (auf der Warteliste für Hauptschulen sind unter den 393 LehramtsanwärterInnen 78 Männer). Das Gleichbehandlungsgesetz könne zur Anwendung kommen, meint der Landesschulratspräsident. Es gelte genauso für die Männer.

"Da muss ich ihm Recht geben", sagt Anwältin Monika Achleitner. Sie leitet das Regionalbüro Oberösterreich für "Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt". Generell habe das Gleichbehandlungsgesetz zum Ziel, "eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes hintan zu halten". Wenn ein Geschlecht in einem Beruf zu gering vertreten sei, "kann im Sinne der Ausgewogenheit die unterrepräsentierte Gruppe mit konkreten Maßnahmen gefördert werden", interpretiert Achleitner das Gesetz.

Diese Rechtsauffassung teile laut Enzenhofer auch das Bildungsministerium. Jetzt muss die Objektivierungskommission entscheiden. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Print, 16.6.2006)

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