RZB: Zinsschritt keine starke Belastung für Aktienmärkte

9. Juni 2000, 12:30

Weitere Rückschläge beim Euro nicht unwahrscheinlich

Wien - Nach Meinung der Finanzmarktexperten der Raiffeisen Zentralbank (RZB) in Wien wollte EZB-Präsident Wim Duisenberg mit der am Donnerstag erfolgten und in dieser Höhe für den Markt unerwarteten Zinsschritt bis auf unbestimmte Zeit weitere Zinsspekulationen beseitigen. Die Zinsentscheidung sollte die europäischen Aktienmärkte nicht nachhaltig belasten, der negative Aspekt gestiegener aber immer noch niedriger Finanzierungskosten sollte durch den positiven Effekt der starken Konjunktur überkompensiert werden, meint RZB-Analystin Lydia Kranner.

Auch in den nächsten Monaten wird für die Aktienmärkte die amerikanische Zins- und Renditeentwicklung entscheidend sein, so die RZB-Expertin. Mit dem Überschreiten des Zinshöhepunktes in den nächsten Monaten erwartet Kranner steigende Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte.

Rückschläge beim Euro wahrscheinlich

Trotz der zunächst positiven Reaktion sind dagegen Rückschläge im Euro nicht unwahrscheinlich. Schuld daran ist das Inflationsrisiko in den USA, das keineswegs gebannt sei, da auch dort die Zinsdiskussion wieder aufleben wird, so Kranner. Bis Jahresende dürfte allerdings die Parität wieder erreicht sein.

Der Wechsel vom Mengentender zum Zinstender könnte nach Meinung der RZB das Problem der niedrigen Zuteilungsquoten und der Benachteiligung kleinerer Banken beseitigen. In Zukunft könnten kleinere Banken genauso zum Zug kommen, wenn sie bereit sind, dementsprechend hohe Zinsen zu bezahlen. Der Hauptrefinanzierungssatz werde sich im weiteren durch den Zinswettbewerb der Banken deutlich dem Geldmarktzins annähern. Diese Entwicklung dürfte schon beim ersten Zinstender am 28. Juni zu beobachten sein. (APA)

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