Panenka als Brückner-Fan

16. Juni 2006, 20:51
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"Ganz große Persönlichkeit" - Rapid-Legende zu Österreichs Fußball: "Leider sind Liga und Nationalmannschaft in der Krise"

Westerburg - Wenn Antonin Panenka im WM-Trainingslager der Tschechen in Westerburg vorbeischaut, dann stellen sich selbst Weltstars wie Pavel Nedved in der Reihe an, um den einstigen Weltklasse-Fußballer persönlich zu begrüßen. Im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur sprach der langjährige Rapid-Wien-Legionär u.a. über die Ausnahmestellung des derzeitigen tschechischen Teamchefs Karel Brückner, der bereits seit Dezember 2001 im Amt ist.

"Er ist der einzige Trainer Tschechiens, der die Nationalmannschaft führen kann. Er ist bei uns eine ganz große Persönlichkeit. Unsere Spieler sind bei Vereinen quer durch Europa engagiert und verdienen viel, viel Geld. Da ist es nicht so wichtig, was du trainierst, sondern dass du sie als Einheit zusammenhältst", so der Held der erfolgreichen CSSR-EM-Mannschaft 1976.

Vom eindrucksvollen tschechischen Start (3:0 gegen die USA) war Panenka ein wenig überrascht. "Ich hatte ein bisschen Angst vor den Amerikanern. Aber unsere Mannschaft hat drei schöne Tore geschossen und das gesamte Mittelfeld hat geglänzt. Das war für die Psyche sehr wichtig." Der 57-Jährige glaubt, dass Nedved und Co. noch erfolgshungriger als bei der EM 2004 (Out im Halbfinale) sind. "Die wichtigen Spieler sind um zwei Jahre routinierter geworden und die Stimmung ist noch besser. Denn eine WM ist das Allerhöchste im Fußball."

Über den österreichischen Fußball, Panenka wurde mit Rapid u.a. zwei Mal Meister und erreichte das Finale im Europacup der Cupsieger 1985, meinte der einstige Super-Techniker. "In Österreich spielen zu viele schwache Legionäre. Die sind maximal Durchschnitt. Für die Jugend wäre wichtig, wenn echte Profis kommen, von denen sie lernen können."

Die Liga in Tschechien sei zwar ebenfalls "sehr schwach", allerdings biete der tschechische Fußball einen entscheidenden Unterschied. "Das Nationalteam ist gut, und das ist für die Leute das Wichtigste. In Österreich sind leider die Liga und das Nationalteam in der Krise."

Fußballerisch aktiv ist der Prager auf Grund seiner Hüftschmerzen nicht mehr, das Amt als Boss von Bohemians Prag führt er allerdings nach wie vor aus. Genauso wie regelmäßige Tennis- und Golf-Einheiten. 2005 hatte der 1905 gegründete Klub Bohemians auf Grund finanzieller Probleme die Lizenz verloren, kommende Saison wird man jedoch wieder in der zweiten Leistungsstufe vertreten sein.

Weltberühmt wurde Panenka im EM-Finale 1976, in dem er gegen die BRD den entscheidenden Elfer im Elfmeterschießen mit einem frechen Lupfer gegen Tormann Sepp Maier verwandelte.(APA)

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