Erneut brutaler Überfall auf Behörden-Kritiker

26. Juni 2006, 13:38
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Nach ARD-Interview Halswirbel gebrochen - Untersuchung des Staudammgegners von Behörden verhindert

Peking - Die chinesische Polizei und Beamte haben eine Untersuchung des schwer verletzten und gelähmten Staudammgegners Fu Xiancai durch den deutschen Botschaftsarzt verhindert. Der aus Peking angereiste deutsche Regionalarzt habe nur "ein paar Sätze" mit ihm wechseln dürfen, berichtete Fu Xiancai am Freitag in einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von seinem Krankenbett im Hospital der Stadt Yichang (Provinz Hubei). "Die örtliche Polizei hat ihm nicht erlaubt, mich zu untersuchen."

In der strittigen Finanzierung einer an diesem Samstag geplanten Operation deutete sich allerdings eine Lösung an. Nach dem Besuch des deutschen Arztes habe ihm ein Beamter des Außenamtes der Provinz gesagt, "die örtliche Regierung habe versprochen, die Behandlungskosten im Hospital zu übernehmen", sagte Fu Xiancai, der durch einen gebrochenen Halswirbel von den Schultern abwärts gelähmt ist. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.

Nach ARD-Interview Halswirbel gebrochen

Der Bauer war brutal niedergeschlagen worden, nachdem er in einem Interview in der ARD über unzureichende Entschädigungen nach der Umsiedlung für den Drei-Schluchten-Damm geklagt hatte. Der deutsche Regionalarzt sei am Donnerstagabend da gewesen und am Freitagmorgen noch einmal wiedergekehrt. "Als er heute morgen kam, hat die Polizei ihm nicht erlaubt hereinzukommen", schilderte Fu Xiancai. "Später kamen Beamte des Außenamtes der Provinz und sprachen lange an der Tür des Büros der Krankenhausleitung."

Schließlich habe der deutsche Arzt doch hereingekommen können und zumindest mit ihm gesprochen. "Er sagte, sie wollten ihr Bestes versuchen, mich zu heilen." Die chinesischen Ärzte hätten ihm gesagt, die Chancen, dass ihm die Operation helfen werde, lägen bei 80 Prozent. Fu Xiancai schien es am Freitag gesundheitlich besser zu gehen, nachdem er am Vortag Atemprobleme hatte. "Sie sagen, es liege am Fieber. Ich fühle mich heute aber besser." (APA/dpa)

Mehr Transparenz

Wu hatte zudem mehr Transparenz in der Lokalpolitik gefordert. Auch verlangte er höhere Entschädigungen für Bauern, die gezwungen werden, Land für Industrieprojekte abzutreten. Im Zuge der schnell wachsenden chinesischen Wirtschaft haben die Entschädigungsforderungen für Enteignungen vor allem in ländlichen Gegenden bereits häufiger zu gewaltsame Unruhen geführt. Kritiker werfen Behördenvertretern vor, das Geld zum größten Teil in ihre eigene Tasche zu stecken.

Der Überfall auf Wu diese Woche ist bereits der zweite auf den Lokalpolitiker innerhalb von zwei Monaten. Dem Zeitungsbericht zufolge wurde im April zudem ein weiterer Amtsträger des Dorfers überfallen, fünf andere erhielten Drohungen.

Nur wenige Tage zuvor war der Bürgerrechtler Fu Xiancai in der Provinz Hubei brutal zusammengeschlagen worden. Fu hatte sich für die Entschädigung von Bauern eingesetzt, die für den umstrittenen Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse zwangsumgesiedelt wurden und in diesem Zusammenhang der ARD ein Interview gegeben. Fu ist seit dem Überfall vom Hals abwärts gelähmt. (APA/Reuters)

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