Walfleisch liegt in Japan gut auf Eis

16. Juni 2006, 12:51
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Fleisch bei Japanern nicht mehr so beliebt - Ab Freitag Konferenz der Walkommission

Tokio - Junko Sakuma geht regelmäßig auf Einkaufstour. Sie sucht in den Kühlregalen von Supermärkten nach Walfleisch: 700 Yen (4,80 Euro) zahlt man im Schnitt für ein paar Scheiben Walspeck. Sie notiert den Preis, fotografiert, und schaut auf die Uhr. Es ist spät am Abend, und das rötliche Fleisch liegt noch immer vakuumverpackt auf Eis.

Sakuma glaubt zu wissen, warum: "Dieses Fleisch will niemand." Es bestehe einfach kein Bedarf mehr danach, sagt die Journalistin und frühere Greenpeace-Aktivistin. In den 1980er-Jahren hatte sie ihr Herz für Wale entdeckt, als sie erstmals auf einem Beobachtungsschiff mitfuhr, und wurde Mitglied des "Aktionsnetzwerks Delfine & Wale".

Japan will Moratorium bekämpfen

Ab Freitag werden in Sachen Walfang wieder die Emotionen hochgehen, denn in der Karibik wird die 58. Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) abgehalten. Japan trachtet danach, das geltende Moratorium zum Schutz von Zwerg-, Mink- oder Buckelwalen außer Kraft zu setzen oder zumindest die Fangquoten zu "wissenschaftlichen Zwecken"zu erhöhen. Greenpeace zufolge halten einander Gegner und Befürworter des Walfangs im IWC die Waage. Neben Japan plädieren auch Norwegen und Island dafür, mehr Wale fangen zu dürfen. Australien etwa ist entschiedener Gegner.

Was im Namen der Wissenschaft gefangen wird, landet früher oder später im Verkaufsregal. Nach dem Krieg wurde viel Walfleisch gegessen, weil Not herrschte. Später wurde es zur Delikatesse. 2005 wurde angekündigt, dass es erstmals nach 20 Jahren wieder in japanischen Schulkantinen aufgetischt werde.

Japan beruft sich darauf, dass der Genuss von Walfleisch als kulinarisches Kulturgut zu betrachten sei - Einmischung unerwünscht. Kritiker glauben, dass die Lager übervoll sind und man den Kampf ums Walfleisch vor allem zum Erhalt der Behörde führe. (aw, DER STANDARD Printausgabe, 16.06.2006)

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