VP schafft Platz für Quereinsteiger

21. Juni 2006, 14:30
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Schwarze Spitzenpolitiker müssen auf Länderlisten ausweichen

Wien - Rangeln, zittern, hoffen - das Ritual ist vor jeder Natinalratswahl das gleiche, wenn es an die Listenerstellung für den Urnengang und den Kampf um die wenigen, sicheren Listenplätze geht. Die Platzierung entscheidet nicht nur über die Zukunft der Mandatare, sondern auch über persönliche Schicksale. Schließlich gehört ein Großteil der Natinalratsabgeordneten zur Gattung Berufspolitiker.

In der ÖVP macht es Obmann Wolfgang Schüssel seinen Spitzenfunktionären diesmals nicht leicht: Er hat durchgesetzt, dass sie in ihren Heimatwahlkreisen antreten müssen.

Schüssels "bewährtes Team"

Die Bundesliste, über die bei der letzten Nationalratswahl 2002 acht Mandatare einzogen, ist damit weit gehend frei für mögliche Quereinsteiger und frische Gesichter. Schüssel behält sich hier wie immer die Entscheidung vor. Bis drei Wochen vor der Wahl kann nominiert werden - damit bleibt Schüssel flexibel. Eng dürfte es aber für manch einen aus Schüssels "bewährtem Team" werden.

Finanzstaatssekretär Alfred Finz beispielsweise kann aus heutiger Sicht nicht mit einem Einzug ins Parlament rechnen. Auf der Wiener Landesliste ist dem Vernehmen nach kein Platz, in seinem Wahlkreis wurde er nicht nominiert. Ein sicheres Ticket aus der Bundeshauptstadt haben hingegen Schüssel selbst (er ist Listenführer), Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (Wien Nord-West) und Kunststaatssekretär Franz Morak (Wien Innen-West). Die endgültige Entscheidung fällt beim Landesparteivorstand der Wiener am kommenden Montag.

Bereits nominiert haben die Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Salzburg und Oberösterreich - prominente Schwarze drängeln sich auch hier.

Fixstarter in St. Pölten

Vorarlberg wird von Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer engeführt, Tirol von Nationalratspräsident Andreas Khol und Verteidigungsminister Günther Platter, Kärnten vom weit gehend unbekannten Gabriel Obernosterer. Lange Zeit war auch Außenministerin Ursula Plassnik als mögliche Spitzenfrau gehandelt worden. In Salzburg folgt Peter Haubner Ex-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner als Listenführer. Klare Nummer Eins in Oberösterreich ist ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer.

Noch keine fertigen schwarzen Listen gibt es in Niederösterreich, der Steiermark und Burgenland.

Innenministerin Liese Prokop und Lebensminister Josef Pröll gelten als Fixstarter in St. Pölten. Gedränge gibt es in der Steiermark: Spitzenkandidat ist wieder Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka, Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch und ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon müssen es über die Wahlkreise schaffen.

Zittern muss auch die Obfrau der Jungen ÖVP, Silvia Fuhrmann, die 2002 über die Bundesliste einzog. In ihrem burgenländischen Wahlkreis Nord wird Edeltraud Lentsch das Rennen machen. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Printausgabe, 16. 6.2006)

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