Großzügig bei Sponsoring, weniger bei den Jobs

27. Juli 2006, 14:25
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Die großen Sport­schuh­hersteller sponsern großzügig den Profisport. Weniger großzügig sind sie bei ihren Zulieferern

Wien - Der Sportschuhhersteller Nike zahlt der brasilianischen Fußballmannschaft 16 Mio. US-Dollar (13 Mio. Euro) pro Jahr. Adidas überweist dem französischen Spieler Zinedine Zidane jährlich 1,5 Mio. Euro. Erst kürzlich unterschrieb der deutsche Fußballer Michael Ballack einen 8-Jahres-Vertrag mit Adidas, wonach er jedes Jahr 1,5 Mio. Euro erhält.

Gleichzeitig bekommen die asiatischen Arbeitnehmer, die Fußballschuhe und Sportbekleidung herstellen, durchschnittlich nur 47 Eurocent pro Stunde, also 3,76 Euro für einen Arbeitstag. Und die Durchsetzung minimalster Arbeitnehmerrechte liegt noch immer in den meisten Fällen im Argen.

Keine Gewerkschaftsrechte

Die globalisierungskritische Organisation Oxfam hat anlässlich der Fußballweltmeisterschaft zwölf internationale Sportartikelmarken - etwa Adidas, Asics, Fila, Kappa, Nike, Puma, Reebok, Speedo oder Umbro untersucht. In dem Bericht "Abseits! Arbeitnehmerrechte und die Herstellung von Sportbekleidung in Asien" kommt die Organisation zu dem Schluss, dass keine der Firmen in den letzten Jahren - es ist die dritte Untersuchung zu dem Thema - genug unternommen hat, um in ihren Lieferketten die grundlegenden Rechte auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen durchzusetzen. "Diese Rechte sind aber entscheidend, um in den Fabrikhallen Verbesserungen durchzusetzen", so Kelly Dent, Sprecherin von Oxfam und Koautorin.

Am Beispiel Nikes: Der Anteil der Sportschuhe, die Nike in Ländern produzieren lässt, in denen das Recht der Beschäftigten auf Vereinigungsfreiheit gesetzlich garantiert ist, ist seit 1998 von 52 auf 38 Prozent gesunken. Auch die Mehrzahl von Pumas Sportschuhen wird in Ländern hergestellt, in denen Gewerkschaftsrechte nicht gesetzlich verankert sind.

Gemäß dem Bericht schneidet Fila in Sachen Arbeitsrechte am schlechtesten ab. Das Unternehmen habe es unterlassen, gegen bekannt gewordene schwere Fälle von Belästigung und Diskriminierung des Personals innerhalb seiner Lieferkette vorzugehen.

Der Sportschuhersteller Reebock dagegen hat sich laut dem Bericht bisher am meisten für die Durchsetzung der Arbeitnehmerrechte in der asiatischen Sportbekleidungsindustrie engagiert. Marken wie Nike, Adidas, Puma und Asics haben ebenfalls Verbesserungen vorgenommen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.6.2006)

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    Bei der Herstellung von Sportschuhen sind die Rechte der meist asiatischen Arbeiter nicht gesichert.

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