Licht und Schatten

15. Juni 2006, 19:05
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Heldengeschichten und Anekdoten aus der Geschichte des Fußballs können der Aufklärung dienen

Die Geschichte des Fußballs wird normalerweise von Heldengeschichten und Anekdoten überdeckt. Und manchmal dienen die Heldensagen, liest man sie nur richtig, der Aufklärung.

Pelé, die globale Integrationsfigur, wird in Deutschland herzlicher hofiert als der verdienstvolle WM- Beschaffer Beckenbauer. Pelés Landsmann João Havelange (90), der von 1974 bis 1998 die FIFA regierte, reist, fast völlig unbeachtet von den Medien, an der Seite seines Ex- Sekretärs und Nachfolgers Joseph Blatter durch das Turnier.

Als Havelange gegen den untadeligen, alte englische Tugenden lebenden FIFA-Präsidenten Sir Stanley Rous antrat, schickte er das brasilianische Team überallhin, wo er im Austausch für Gastspiele sich Zusagen für seine Wahl bei der FIFA-Präsidentenwahl einhandeln konnte. Der Superstar Pelé unterstützte Havelange, der das magische Spiel der Nachkriegszeit zum Kommerzspektakel verwandelte, dem unter anderem die Konzerne Coca-Cola und Adidas ihre Größe verdanken.

Pelé trat 1971 als Teamspieler ab, er wollte nicht mehr für den Glanz einer mordenden Militärdiktatur sorgen. Havelange kooperierte mit der Junta. David A. Yallop schreibt in "Wie das Spiel verlorenging", dass ein Prozess wegen Betrugs gegen Havelange niedergeschlagen wurde.

Viel später verlangte Pelé in einem Korruptionsskandal den Rücktritt von Havelanges Schwiegersohn Ricardo Teixeira als Brasiliens Verbandspräsident, Havelange schäumte. Sein Intimus Blatter betraute Teixeira 2002 damit, die Bestechungsvorwürfe in der FIFA zu untersuchen. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass manche durch die Schatten der VIP-Klubs wandeln und Pelé in der Liebe der Welt. (DER STANDARD Printausgabe 16.06.2006)

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