"Der kleine Prinz" in Zulu

22. Juni 2006, 21:00
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Literarische Leistungsschau in Kapstadt - Buchmesse in einem Land mit hoher Analphabetenrate

Johannesburg - Antoine de Saint-Exuperys "Der kleine Prinz" spricht Zulu: Der weltbekannte Roman des französischen Flieger-Poeten wird am Wochenende bei der Buchmesse in Kapstadt (Südafrika) in seiner Zulu-Version vorgestellt. Die afrikanische Sprache ist die jüngste Übersetzung des Bestsellers. Passend zum 30. Jahrestag des blutigen Soweto-Aufstands am 16. Juni - der sich einst an der vom Apartheid-Regime angeordneten Einführung der Burensprache Afrikaans als Unterrichtsmedium entzündete - soll sie den hohen Stellenwert belegen, den die Kap-Demokratie heute afrikanischen Sprachen beimisst.

Mehr Literatur in Zulu oder Xhosa, Sethswana oder Sepedi soll die Lesekultur stärken in einem Land, in dem als Erbe der Apartheid eine weiter hohe Analphabetenraten den Zugang zur Literatur verwehrt. Für den gesamten Kontinent wird sie auf 40 Prozent der Bevölkerung geschätzt. Eine verkaufte Auflage von 8000 Exemplaren macht daher in Südafrika aus einem Buch bereits einen Bestseller. "Wir sind keine Lesenation, und das müssen wir ändern", meinte Südafrikas Kulturminister Pallo Jordan. Auf der von der Frankfurter Buchmesse mit organisierten viertägigen Leistungsschau geht es darum, der Szene den Puls zu fühlen und den Blick nach vorne zu wagen.

Vielfältige Literaturszene

Zunehmend entdecken westliche Autoren wie Henning Mankell oder Norman Ohler Afrika und seine reiche Themenfülle als Sujet für ihre Werke. Doch der Kontinent, der Literatur-Preisträger wie Nadine Gordimer oder J.M. Coetzee (beide Südafrika), Wole Syinka (Nigeria) oder Nagib Machfus (Ägypten) hervorbrachte, hat selbst eine ebenso vielfältige wie faszinierende Literaturszene. Hoffnungsfrohe Autoren- Talente aber - von Zakes Mda bis Nuruddin Farah - stoßen in ihrer traditionell von der Erzählkultur geprägten Heimat auf hohe Hürden.

In der stärksten Wirtschaftsmacht des Kontinents - Südafrika - kaufen gerade mal 500.000 der 46 Millionen Einwohner pro Jahr ein oder mehrere Bücher. Im bevölkerungsschwächeren Nachbarland Namibia, wo auf einem kleinen, aber feinen Nischenmarkt sogar eine örtliche deutsche Literaturszene gedeiht, sind es noch weniger. "Es sind vor allem naturwissenschaftliche, landschaftskundliche oder historische Sachbücher, die sich hier gut verkaufen", sagt Marianne Zappen-Thomson, Leiterin der deutschsprachigen Abteilung an der Universität Namibia. Als eins der erfolgreichsten Bücher gilt dort nach wie vor die Erzählung zweier junger deutscher Geologen, die sich nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs jahrelang in der Kalahari-Wüste versteckt hielten und dort Überlebenstechniken erlernen mussten.

Romane oder gesellschaftliche Werke dagegen dümpeln in Afrika in Auflagenzahlen, die sich bestenfalls in mehreren hundert verkauften Büchern messen. "Wir bewegen uns da in anderen Dimensionen als Europa", gibt Karen Bruns von Südafrikas Sozialwissenschaftlichem Forschungsrat (HSRC) zu. Die am Samstag beginnende Buchmesse mit ihren rund 400 Ausstellern soll das ändern. Sie löst eine ähnliche Messe ab, die jahrelang in Südafrikas Nachbarland Simbabwe stattfand. (APA/dpa)(http://www.capetownbookfair.com) (APA/dpa)

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