Moskauer Filmfest: Zulawski Jury-Vorsitzer

28. Juni 2006, 13:39
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Nach Absage von Haneke und einigen Grotesken

Moskau/Wien - Nach der Absage des österreichischen Regisseurs Michael Haneke wird sein polnischer Kollege Andrezj Zulawski die Jury beim 28. Moskauer Internationalen Filmfest leiten, teilte Festivals-Präsident Nikita Michalkow am Mittwoch in Moskau mit. Das Filmfest beginnt am kommenden Freitag. Haneke hatte kurzfristig den vereinbarten Jury-Vorsitz abgesagt und die russischen Organisatoren damit sehr verärgert. Die anderen Jury-Mitglieder hätten Zulawski zum Vorsitzenden gewählt.

"Grotesker" Vorgang

Als "grotesk" hatte Michael Haneke die Aufregung rund um seinen abgesagten Jury-Vorsitz bezeichnet. Der österreichische Regisseur hatte den Vorsitz kurzfristig zurückgelegt, in einem Offenen Brief kritisierten die Organisatoren des Festivals darauf die Entscheidung als "unredlich". "Von dem Brief höre ich jetzt zum ersten Mal", zeigte sich Haneke a überrascht. Die Vorbereitungen für sein Hollywood-Remake des Films "Funny Games" hätten den Vorsitz jedenfalls nicht zugelassen.

"Es war mir sehr unangenehm", beteuerte Haneke, die Absage war "keinesfalls als Affront gedacht". Daher verstehe er die Reaktion der Organisatoren nicht: "Ich habe ihnen lang und breit erklärt, dass es nicht geht, weil mir kurzfristig ein Filmprojekt dazwischen gekommen ist." Zwei Mal habe er mit den Veranstaltern korrespondiert, die sich nun vor allem darüber beschweren, dass die Entscheidung erst 16 Tage vor Beginn des Festivals bekannt gegeben wurde. "Mehr als erklären und mich entschuldigen kann ich nicht tun", meinte Haneke.

Neues Filmprojekt

Der Drehbeginn von "Funny Games", einem Hollywood-Remake seines eigenen Werks aus dem Jahr 1997, ist für 11. September angesetzt: "Die Zeit ist äußerst knapp, da ist viel zu tun", rechtfertigte Haneke die Entscheidung. Dass er trotz seiner bisherigen Skepsis bezüglich der US-amerikanischen Filmindustrie nun in Los Angeles dreht, hat laut dem Regisseur einfache Gründe. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Hollywood meine Bedingungen akzeptiert - nun kann ich aber so arbeiten, wie ich es hier gewöhnt bin." Und mit der gewünschten Hauptdarstellerin: "Naomi Watts war die Bedingung, dass ich den Film überhaupt mache." Für das Zustandekommen von "Die Klavierspielerin" (2001) war die Besetzung mit Isabelle Huppert die Bedingung gewesen. (APA/dpa)

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