McDonald's: Ungewollter Werbeauftritt von Bundeskanzler Schüssel

19. Juli 2006, 14:23
66 Postings

Fastfood-Kette musste "beträchtliche Summe" spenden - SPÖ findet Erklärung "billig"

Seine Fußball-Begeisterung hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) einen ungewollten Werbeauftritt beschert - der Hobbykicker strahlt neuerdings auf McDonald's-Plakaten. Die Fastfood-Kette wirbt zur Fußball-WM für ihre WM-Burger mit mehreren Prominenten, die mit einem rot-weiß-roten Schal, rot-weiß-rot bemalten Wangen und dem Slogan "Österreich isst Weltmeister" ausgestattet sind.

Für die Kampagne ausgesucht wurden prominente Persönlichkeiten, die bekannte Fußball-Fans sind, neben Schüssel sind das Andreas Goldberger und Andreas Herzog. Die Wahl der Werbeagentur CCP Heye für den Kanzler kam McDonald's allerdings nicht ganz billig. Kaum seien die Plakate in Umlauf gekommen, "kam prompt ein Anruf aus dem Büro Schüssels", heißt es dazu in der PR-Agentur Pleon Publico. In den folgenden Verhandlungen habe man sich darauf geeinigt, dass McDonald's eine "beträchtliche Summe" für karitative Zwecke spenden muss.

Positive Stimmung der WM einfangen

Die Idee hinter der Aktion sei es, die positive Stimmung der WM einzufangen. Die Werbeagentur habe dabei bewusst auf positive Provokation gesetzt und sich für den Kanzler entschieden. Hätte man um Erlaubnis gefragt, hätte man Absagen und mühsame Verhandlungen riskiert und so habe man sich "einfach getraut".

"Kampagne nicht vom Bundeskanzler beauftragt"

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka betonte auf Anfrage der APA, dass die Plakat-Kampagne "nicht vom Bundeskanzler beauftragt" sei. Offenbar seien die Persönlichkeitswerte des Kanzlers aber so gut, "dass er als Sympathieträger eingesetzt wird". Im Übrigen habe es schon mehrmals Werbekampagnen mit dem Schüssel-Konterfei gegeben - zuletzt etwa von der "Kronen Zeitung".

Die SPÖ will nicht daran glauben, dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) ohne sein Wissen auf den McDonalds-Plakaten gelandet ist. SP-Kommunikationschef Josef Kalina verwies am Donnerstag darauf, dass Schüssels Pressesprecherin früher selbst bei der für die Kampagne zuständigen PR-Agentur Pleon Publico gearbeitet habe. "Die Pleon Publico wimmelt nur so von Leuten, die ein Mal bei der ÖVP arbeiten, und dann wieder bei der Publico", sagte Kalina.

"Abgekartete Sache"

"Das ist ganz glasklar eine abgekartete Sache", glaubt Kalina. Es handle sich bei der McDonalds-Werbung um eine von der Publico "eingehängte" Image-Kampagne. "Es ist billig, so zu tun, als hätte gerade diese Agentur, wo die Pressesprecher des Herrn Bundeskanzler ein und aus gehen, den Mut gehabt, den Schüssel wo zu plakatieren, ohne dass sie den Schüssel fragen. Der Herr Schüssel hat für dieses Foto Modell gestanden und er soll dazu stehen", fordert Kalina.

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka hatte zuvor versichert, es habe keinen Auftrag Schüssels für die Verwendung seines Bildes in der Kampagne gegeben. Im Bundeskanzleramt hieß es dazu lediglich, knapp die Kampagne sei "sicher nicht" mit Schüssel abgesprochen gewesen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.