Tirol: Seltene prähistorische Inschriften entdeckt

23. Juni 2006, 16:46
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Rätisches Frauenheiligtum bei Ampass gab bisher mehr als 300 Opfergaben frei

Innsbruck - In Tirol sind zwei seltene prähistorische Inschriften entdeckt worden. Sie gehören zum rätischen Frauenheiligtum bei Ampass östlich von Innsbruck, das bisher mehr als 300 Opfergaben freigab.

Das Dorf nahe Innsbruck gilt als ein Tiroler Archäologie-Dorado. Neben dem stilisierten Figürchen einer Schwangeren aus Bronzeblech, das der Öffentlichkeit bereits vorgestellt wurde, stechen vor allem zwei neue Inschriftenfunde hervor: Ein hauchdünnes Bronzetäfelchen mit mehr als 30 Buchstaben des rätischen Alphabets und ein Pferdekopf-Figürchen mit einer venetischen Inschrift.

Weiheinschrift

Laut Grabungsleiter Gerhard Tomedi vom Institut für Archäologie der Universität Innsbruck sind beide Objekte in Tirol einzigartig. Das etwa 2.500 Jahre alte Täfelchen dürfte eine Weiheinschrift enthalten. Wie Tomedi erläuterte, konnte das Wort "upiku" identifiziert werden, das "opferte" bedeutet. Genauere Untersuchungen sollen folgen.

Die Zeichen auf dem nur wenige Zentimeter großen Pferdekopf aus Bronze, deren Bedeutung noch völlig unklar ist, stellen den bisher einzigen venetischen Schriftfund in Tirol dar. Die Veneter waren ein oberitalienisches Nachbarvolk, das mit den in den Alpen lebenden Rätern enge Kontakte pflegte.

Nach Ansicht von Archäologieexperten sind die genannten Objekte nur die "Gustostücke" einer ganzen Reihe von neuen Funden aus dem Demlfeld. Mehr als 300 Metallgegenstände wurden bei der mehrwöchigen Grabung bisher registriert, darunter zahlreiche Fibeln (Gewandnadeln) sowie Arm- und Halsreifen und andere Schmuckstücke. So gut wie alle Funde dürften Opfergaben gewesen sein.

Weiter bestätigt hat sich die Annahme, dass es sich bei dem überregional bedeutenden Kultplatz auf dem Demlfeld um ein Frauen-Heiligtum gehandelt hat. Laut Gerhard Tomedi stammen 99 Prozent der Funde "aus dem weiblichen Ambiente". Abgesehen von der Wangenklappe eines Helms wurden bisher auch keine Waffen gefunden. (APA)

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