Großaktionär: EADS wegen A380-Problem in schwerer Krise

15. Juni 2006, 18:18
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Arnaud Lagardere: Anleger verstehen Verzögerungen nicht

Paris - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS befindet sich nach Ansicht des französischen Großaktionärs und Co-Chairmans Arnaud Lagardere in einer schweren Krise. Die Anleger würden die Verzögerungen beim neuen Großraumflugzeug der EADS-Tochter Airbus, des A380, nicht verstehen, zitierte die Zeitung "Le Monde" Lagardere am Donnerstag.

Er wolle nicht nach Sündenböcken suchen oder Personaländerungen durchsetzen, sagte er. Aber es müsse gefragt werden, ob Airbus-Chef Gustav Humbert von der internen Lage gewusst habe, als er die Position vor einem Jahr von Co-Chef Noel Forgeard übernommen hat. Auf die Frage, ob Lagardere hinter Forgeard stehe, antwortete der Unternehmer, er werde das mit dem deutschen Co-Chairman Manfred Bischoff diskutieren. Forgeard selber hatte am Mittwoch auf die Frage von Analysten, ob er persönlich Konsequenzen aus dem Rückschlag bei Airbus ziehe, geantwortet: "Ich denke, das ist eine Entscheidung der Anteilseigner." Ziel sei es, nach vorne zu blicken, ohne mit dem Finger auf Schuldige zu zeigen. EADS stürze sich nun nicht auf Änderungen des Managements, sondern nutze die Chance für eine straffere Organisation.

Technische Probleme

Airbus hatte am Dienstagabend eingeräumt, dass sich der Zeitplan für erste Auslieferungen des prestigeträchtigen doppelstöckigen A380 wegen technischer Probleme mit der Elektronik um weitere sechs bis sieben Monate nach hinten verschiebt. Den Mutterkonzern EADS belastet die Verzögerung operativ in den Jahren 2007 bis 2010 mit insgesamt zwei Mrd. Euro. Die Aktie brach am Mittwoch zeitweise über 30 Prozent ein, was den Konzern bis Börsenschluss gut sechs Mrd. Euro Börsenwert kostete. Am Donnerstag erholte sich die Aktie leicht und legte rund zwei Prozent auf 19,15 Euro zu.

Bis Forgeard vor einem Jahr Co-Chef von EADS wurde, war er Chef von Airbus. In diese Zeit fällt auch der Startschuss für den A380, der den Jumbo Jet von Boeing als größtes Passagierflugzeug ablöst und zwölf Mrd. Euro an Entwicklungskosten verschlungen hat. Analysten hinterfragen zunehmend kritisch das Erbe, das Forgeard seinem Nachfolger Humbert - dem ersten Deutschen an der Spitze von Airbus - hinterlassen hat.

Humbert hat derzeit nicht nur mit den Verzögerungen beim A380 zu kämpfen. Auch das neueste Projekt, der A350, läuft nicht optimal. Kunden hatten die Konkurrenzfähigkeit des mittelgroßen Flugzeugs für die Langstrecke in Frage gestellt. Derzeit überarbeitet Airbus das Konzept und will bis zur Luftfahrtschau in englischen Farnborough Mitte Juli über Änderungen entscheiden. Differenzen zwischen Forgeard und Humbert traten auf der Luftfahrtschau im Mai in Berlin zu Tage. Humbert hatte sich über Äußerungen von Forgeard, Airbus stecke in einer "Wachstumskrise", irritiert gezeigt. Dass Forgeard Änderungen gefordert hatte, stimmte Humbert jedoch positiv.

Lagardere sagte der Zeitung weiter, er und Mit-Aktionär DaimlerChrysler hätten nichts von den Problemen beim A380 gewusst, bevor sie sich zur Reduzierung ihres EADS-Anteils entschlossen hatten. Die Mediengruppe des Franzosen hat ihren Anteil in diesem Jahr auf 7,5 Prozent halbiert. DaimlerChrysler reduzierte seinen Anteil ebenfalls um 7,5 Prozent auf rund 22 Prozent. Damit erhöhte sich der Streubesitz des im Jahr 2000 entstandenen europäischen Konzerns auf gut 42 Prozent. Die beiden Co-Chefs, Forgeard und sein deutscher Kollege Tom Enders, hatten sich stets für einen höheren Streubesitz ausgesprochen und würden auch einen Rückzug der staatlichen Anteilseigner begrüßen. Frankreich hält 15 Prozent und Spanien fünf Prozent an EADS. (APA/Reuters)

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