Fondsskandal in Japan

30. Juni 2006, 13:55
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Notenbankchef entschuldigt sich - Rücktritt weiterhin abgelehnt

Tokio - Japans Notenbankchef Toshihiko Fukui hat sich für sein Verhalten im Skandal um Insiderhandel bei einem Investmentfonds entschuldigt. Einen Rücktritt lehnte er am Donnerstag erneut ab.

"Es tut mir sehr leid, dass ich für solchen Wirbel gesorgt habe", sagte Fukui im Parlament. Dort sollte er zu der Affäre Stellung nehmen. Später fügte er bei einer Pressekonferenz hinzu: "Ich werde die Kritik demütig akzeptieren, aber ich möchte gern weiter Notenbankchef bleiben." Die Vorfälle hätten weder seine Ansicht über die Geldpolitik noch die der Bank von Japan beeinflusst.

Insiderhandel

Oppositionspolitiker hatten Fukui zum Rücktritt aufgefordert, nachdem er zugegeben hatte, Ende der 90er Jahre und damit vor seiner Zeit als oberster Währungshüter Geld in den von Yoshiaki Murakami verwalteten Fonds gesteckt zu haben. Dieser war vergangene Woche unter dem Vorwurf des Insiderhandels verhaftet worden.

Die Regierung, die den Notenbankchef in Japan ablösen kann, stellte sich jedoch schützend vor Fukui. Ministerpräsident Junichiro Koizumi sagte, der Notenbankchef habe nichts Falsches getan. Ein hochrangiges Kabinettsmitglied wiederholte am Donnerstag, die Regierung wünsche den Verbleib Fukuis im Amt.

Die Affäre um den Notenbankchef war mit einer Anhörung in einem Parlamentsausschuss ins Rollen gekommen. Fukui räumte dabei überraschend ein, dass er 1999 als eine Art Startkapital umgerechnet fast 90.000 Dollar in den damals gegründeten Fonds Murakamis gesteckt hatte. Fukui war seinerzeit Chef des Fujitsu Forschungsinstituts. Er argumentierte, mit dem Geld habe er Murakami den Start seines ambitionierten Projekts erleichtern wollen. Der Notenbankchef räumte nun ein, er wisse nicht, ob er Gewinne verbucht habe. Falls ja, wolle er sie nicht behalten. "Ich möchte eventuelle Gewinne auf eine Art und Weise nutzen, die überzeugend auf die Menschen wirkt."

Murakami war vergangene Woche wegen Insiderhandels im Zuge des Skandals um das Internet-Unternehmen Livedoor verhaftet worden. Er war kurz zuvor zurückgetreten. Nach Gespräche mit der Staatsanwaltschaft über seine Vorgehensweise bei einem Übernahmekampf habe er entschieden, dass diese als Verstoß gegen die entsprechenden Gesetze gewertet werden könnte, sagte Murakami. Der Übernahmekampf im vergangenen Jahr stand in Verbindung mit dem Skandal um Livedoor. Dessen Ex-Chef Takafumi Horie wird unter anderem Bilanzfälschung vorgeworfen.

An den Aktienmärkten hatten die Vorfälle für Aufruhr gesorgt, der Nikkei sackte in dieser Woche zeitweise um mehr als vier Prozent ab. Händler sprachen von einem "Fukui-Schock". (APA/Reuters)

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