Mexiko erwartet Fiesta gegen Angola

16. Juni 2006, 23:05
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Mit einem Sieg soll der Weg ins Achtelfinale ge­ebnet werden - Außen­seiter Angola hofft auf Achtungserfolg

Wien/Hannover - Ihr neuer "Schutzengel" soll den "Azteken" den Fußball-Weg ins WM-Achtelfinale weisen. Der kurz vor dem Turnier unerwartet gestorbene Vater von Torhüter Oswaldo Sanchez habe im Himmel ein Auge auf das Team, verkündete Mexikos argentinischer Teamchef Ricardo La Volpe nach dem starken 3:1-Auftakterfolg gegen den Iran. Im zweiten Gruppenspiel (D) gegen Außenseiter Angola wollen die Amerikaner am Freitag in Hannover ihrem Halbfinal-Traum ein weiteres Stück näher kommen.

Das Stadion in Niedersachsen scheint dafür ein guter Boden zu sein. Im Vorjahr, als die Mexikaner Vierter der WM-Generalprobe um den Confed-Cup wurden, gelang ihnen in Hannover ein 1:0-Coup über Weltmeister Brasilien. Die Fans erwarten nun eine neuerliche Fußball-Fiesta. "Gegen Angola müssen wir gewinnen, dürfen aber nicht überheblich sein. Die angolanischen Spieler sind sehr schnell", sagte Mittelfeldspieler Gonzalo Pineda.

La Volpe forderte vor allem seine Abwehrspieler auf, die "schwarzen Antilopen" konsequent zu decken und ihnen keine Räume zu geben. Der schweigsame Kettenraucher muss auf Stürmerstar Jared Borgetti verzichten. Den 32-Jährigen, mit 14 Toren in der WM-Qualifikation weltweit treffsicherster Schütze, plagt eine Muskelblessur. Auch sein Antreten im letzten Gruppen-Spiel gegen Portugal am 21. Juni ist fraglich. Stürmer Omar Bravo, der gegen den Iran zwei Treffer erzielte, könnte in seine Fußstapfen treten.

Die Kritik aus Mexiko an La Volpe ist nach dem überzeugenden Auftaktsieg zunächst verstummt. Die Leistung der Mannschaft nötigte auch dem WM-Neuling Angola großen Respekt ab. Nach einem ausgiebigen Videostudium kündigte der Außenseiter dennoch einen großen Kampf an. "Wir müssen zum Ruhme unseres Landes Mexiko schlagen", sagte Spielmacher Paulo Figueiredo.

Trainer Luis Oliveira Goncalves hat nach dem 0:1 gegen Portugal das Achtelfinale noch nicht abgeschrieben. "Wir sind zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei, und wenn wir jetzt die Möglichkeit haben, die nächste Runde noch zu erreichen, wollen wir das auch versuchen", sagte der Coach. Für spektakuläre Aktionen soll vor allem Angolas Kapitän und Stürmerstar Akwa sorgen. Der vereinslose Stürmer wirbt mit seinen Fallrückziehern für einen Profi-Vertrag.

In Köln gegen ihre früheren Kolonialherren hatten die Afrikaner mit ihrer engagierten Spielweise die neutralen Zuschauer auf ihrer Seite und trotz des frühen Gegentors einen Achtungserfolg erzielt. Die Angolaner haben ihrem WM-Debüt schon sehr viel geschafft. Besonders, wenn man bedenkt, dass in dem westafrikanische Land erst im April 2002 ein 27 Jahre dauernder blutiger Bürgerkrieg zu Ende ging und man sich noch Mitten im Wiederaufbau befindet. "Wir haben nicht die Möglichkeiten, Top-Spieler zur WM zu schicken. Aber wir gehören schon zu den besten Teams Afrikas", sagt Goncalves.

Den Teamchef, ein gelernter Sportlehrer und seit 2003 im Amt, nennen sie in der Heimat alle nur "Professor", aber keiner weiß eigentlich so richtig warum. Er genießt jedenfalls höchstes Ansehen im Land. "Er ist eine Art Stammesältester, ein Vater", meint Mittelfeldspieler Edson über Goncalves, der am 22. Juni 46 Jahre wird. Ein weiterer Achtungserfolg seiner Truppe gegen die Mexikaner wäre ein weiteres Präsent und gäbe dem Land abermals mehr Ansehen in der Fußball-Welt. (APA/dpa/AP)

MEXIKO - ANGOLA (Hannoveraner Stadion, 21 Uhr, Schiedsrichter: Shamsul Maidin/Singapur):

Mexiko: 1 Sanchez - 16 Mendez, 4 Marquez, 5 Osorio, 3 Salcido - 7 Zinha, 23 Perez, 8 Pardo, 14 Pineda - 19 Bravo, 10 Franco. Es fehlt: Borgetti (Zerrung)

Angola: 1 Ricardo - 20 Loco, 3 Jamba, 5 Kali, 21 Delgado - 17 Ze Kalanga, 8 Andre, 7 Figueiredo, 11 Mateus, 14 Mendonca - 10 Akwa

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