Tschechen setzen auf Lokvenc

16. Juni 2006, 13:11
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Milan Baros und Jan Koller fallen aus, Salz­burg-Legionär als letzter Offensiv-Hoffnungs­träger gegen Ghana

Westerburg - Obwohl Vratislav Lokvenc verletzungsbedingt seit fast elf Monaten keinen 90-Minuten-Einsatz in einem Pflichtspiel absolviert hat, ist der Stürmer von ÖFB-Vizemeister Red Bull Salzburg der neue große Offensivhoffnungsträger von WM-Mitfavorit Tschechien. Da die beiden Starstürmer Milan Baros und Jan Koller für das zweite Gruppenspiel am Samstag in Köln gegen Ghana verletzt ausfallen, wird Teamchef Karel Brückner den 1,96-m-Riesen wohl als einzigen echten Stürmer und "Strafraum-Leuchtturm" in die Schlacht werfen.

"Für mich läuft es bei jedem Training und jedem Spiel immer besser. Ich freue mich über jede Minute auf dem Platz", meinte Lokvenc am Donnerstag im Trainingslager der Tschechen in der idyllischen deutschen Kleinstadt Westerburg im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Der 32-Jährige war beim sicheren 3:0-Auftaktsieg der Tschechen gegen die USA kurz vor der Pause für den verletzten Koller ins Spiel und somit zu seinem WM-Debüt gekommen.

"Ich schätze Ghana stärker als die USA ein"

Gegen die Afrikaner könnte Lokvenc nun erstmals seit 24. Juli 2005 (0:3 der Salzburger in Ried) über die volle Distanz zum Einsatz kommen. "Ich schätze Ghana stärker als die USA ein", hat Lokvenc jede Menge Respekt vor Michael Essien und Co.. "Aber wenn wir so wie beim 3:0 gegen die USA spielen, dann werden wir auch dieses Spiel gewinnen." Zum Abschluss der Gruppe E treffen die Tschechen dann am 22. Juni in Hamburg auf die Italiener.

Die tschechische Offensivabteilung ist alles andere als vom Glück verfolgt. Bei EM-Schützenkönig und Aston-Villa-Legionär Baros verzögert sich der Heilungsprozess des lädierten Fußes weiter, da sich Flüssigkeit in der Ferse angesammelt hat. Neo-Monaco-Stürmer Koller, der sich nach einem Kreuzbandriss gerade rechtzeitig vor der WM erholt hatte und sich in Topform präsentierte, erlitt gegen die USA eine Oberschenkel-Verletzung.

Einzig fitter Sturmtank

Damit ist Lokvenc, der auf Grund seiner Kreuzband-Operation im rechten Knie in der vergangenen Saison nur fünf Liga-Einsätze und erst am 6. Mai 2006 (die letzten 34 Minuten beim 1:2 gegen Pasching) sein Comeback für Salzburg absolvierte, der einzige "fitte" tschechische Sturmtank. Marek Heinz und Jiri Stajner scheinen zwar im Kader ebenfalls als "Stürmer" auf, sie sind jedoch eher in die Kategorie der offensiven Mittelfeldspieler einzuordnen.

Daher glaubt auch Lokvenc, dass Trainer Brückner wie gegen die Amerikaner notgedrungen das alt bewährte 4-4-2-System fallen lässt und stattdessen auf ein verstärktes und wahrlich prominent besetztes Fünfer-Mittelfeld (u.a. Pavel Nedved, Karel Poborsky, Tomas Rosicky) setzt. "Die Ausfälle von Baros und Koller sind sehr schade für uns. Aber das ist Fußball. Und jetzt müssen wir eben ohne sie spielen. Die Stimmung im Team ist weiterhin hervorragend", so Lokvenc. Koller (2,02 m) und Lokvenc (1,96) sind im tschechischen Fußball als "die zwei Leuchttürme" bekannt, der Spitzname des Salzburg-Stars lautet "Dino".

Mit seinem neuen Trainerduo in Salzburg (Giovanni Trapattoni/Lothar Matthäus) erwartet sich der langjährige Deutschland-Legionär einiges: "Das Wichtigste ist, dass es eine bessere Saison als die letzte wird. Wir wollen Platz eins."

Apropos Salzburg, sein neuer Teamkollge Niko Kovac hat am Donnerstag das kroatische Teamtraining nach nur 15 Minuten abbrechen müssen. Der 34-jährige Kapitän hatte sich im Spiel gegen Brasilien (0:1) eine schmerzhafte Rippenverletzung zugezogen. Ob Kovac am Sonntag gegen Japan spielen kann, stand vorerst noch nicht fest.(APA)

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    Der letzte Stürmer.

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