Grimmiger Herr im lustigen Hemd mit kickenden Elefanten

16. Juni 2006, 20:02
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Nur die Elfenbeinküste scheint befähigt, Afrika einen Platz im Achtel­finale zu bescheren. Ein Sieg gegen die Niederlande muss her

Roger Kouassi hat einen schwierigen Job, aber der Öffentlichkeitsarbeiter des Teams von der Elfenbeinküste erledigt ihn in einer Art und Weise, wie sie dem Pressesprecher des ugandischen Diktators Idi Amin Dada gut zu Gesicht gestanden wäre.

Während die so genannten Elefanten von Trainer Henri Michel auf der schmucken Anlage der mit Sicherheit wackeren Sportfreunde Troisdorf bei Köln leichtfüßig ihr Aufwärmprogramm für die bald darauf ausgesperrten Beobachter abspulen, sagt Herr Kouassi, dass es zum zweiten Gruppenspiel der Afrikaner, das Freitag, in Stuttgart gegen die Niederlande steigt, rein gar nichts zu sagen gebe.

Sein Chef, der Franzose Michel (58), 1986 mit der Équipe Tricolore WM-Dritter, aber 1994 mit Kamerun und vier Jahre später mit Marokko weniger erfolgreich, hält nichts vom locker-lässigen Umgang seiner Schützlinge mit der Öffentlichkeit. Die Bilder vom Ausflug einiger Spieler in ein lokales Freibad und vom Einkaufsbummel in Köln waren das Äußerste, jetzt ist eher Abschottung angesagt Und Herr Kouassi setzt das um. Nur sein lustiges Hemd mit kickenden Elefanten darauf mildert den grimmig Eindruck. Ein "alle sind fit"wirft Kouassi dann doch noch in die Menge, "fit und zuversichtlich".

Um zu spielen

"Weil wir gekommen sind, um zu spielen, haben wir uns kreuzigen lassen", hatte Michel nach dem 1:2 seiner - wegen ihrer orangen Dressen auch "Niederländer Afrikas"- genannten Mannschaft gegen Argentinien zum Besten gegeben. Gegen die echten Niederlande soll das in weißer Wäsche nicht mehr passieren. Michel will es taktischer anlegen. "Wir haben unsere Lektion gelernt", sagte er am Donnerstag beim unvermeidlichen, weil von der FIFA vorgeschriebenen Tête-à-tête mit der Presse. "Uns sitzt das Messer auf der Brust. Wenn wir verlieren, fahren wir nach Hause. Aber wir wollen nicht nach Hause."

Um zu bleiben

Die gegen Argentinien offensiv hyperaktiven Außenverteidiger Arthur Boka und Emmanuel Eboue wurden eindringlich an ihre Hauptaufgaben erinnert.

Spielmacher Bonaventure Kalou könnte zu Beginn gar auf der Bank diszipliniert werden. Starstürmer Didier Drogba, der nach dem Auftaktmatch mit Torerfolg an einer Knöchelblessur laborierte, würde dann von Aruna Dindane, der nach seiner Einwechselung gegen Argentinien überzeugte, mit Vorlagen gefüttert werden.

Michels Kollege Marco van Basten (41) wird ohne Umstellungen auskommen, nach dem 1:0-Sieg gegen Serbien-Montenegro gebe es dafür keine Argumente. Allerdings schien dem ehemaligen Torjäger in seinem Team auch noch einiges verbesserungswürdig. "Die Positionen müssen besser gehalten werden, und wir dürfen uns nicht so viele Abspielfehler leisten."Der Respekt vor der Elfenbeinküste, die Van Basten beim Weg ins (dann gegen Ägypten verlorene) Finale des Afrika-Cups selbst beobachtet hat, ist eher noch gewachsen.

Intern wurde Arjen Robben trotz seiner torgekrönten Leistung zum Auftakt gerüffelt. Er soll weniger Eigensinn entwickeln. Vor allem Robin van Persie fühlte sich übergangen. Van Basten handelte den Konflikt souverän ab, die beiden Jungstars aus der englischen Premier League gelobten, wieder an einem Strang zu ziehen. Schließlich ist in der schwierigsten Vorrundengruppe laut Van Basten mit einem Sieg "nichts erreicht". (DER STANDARD Prinatuasgabe 16.06.2006)

  • NIEDERLANDE - ELFENBEINKÜSTE (Stuttgarter Stadion; 18 Uhr, Schiedsrichter Oscar Ruiz/Kolumbien):

    Niederlande: 1 Van der Sar - 14 Heitinga, 13 Ooijer, 4 Mathijsen, 5 Van Bronckhorst - 18 Van Bommel, 20 Sneijder, 8 Cocu - 17 Van Persie, 9 Van Nistelrooy, 11 Robben

    Elfenbeinküste: 1 Tizie - 21 Eboue, 4 Kolo Toure, 3 Boka, 12 Meite - 5 Zokora, 2 Akale, 19 Yaya Toure, 15 Dindane - 18 Keita, 11 Drogba

  • Sigi Lützow aus Köln
    • Bild nicht mehr verfügbar

      Drogba soll auch gegen die Niederlande treffen.

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