Anhörung im US-Kongress zu Zwangsprostitution in Deutschland

14. Juni 2006, 23:42
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Bericht wirft Berlin mangelndes Engagement vor: Land sei "Quelle, Transitweg und Ziel" für Sex-Arbeiter und andere Opfer von Ausbeutung

Washington - Ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hat sich am Mittwoch mit einem Bericht über mögliche Zwangsprostitution während der Fußball-WM in Deutschland beschäftigt. Der Leiter des Büros für Menschenhandel im Außenministerium, John Miller, erklärte in einer Anhörung, die USA überwachten die Bemühungen Deutschlands im Kampf gegen Zwangsprostitution. Ob die Maßnahmen bisher erfolgreich seien, könne er nicht sagen.

Im Mittelpunkt der Anhörung im Unterausschuss für Menschenrechte stand der in der vergangenen Woche veröffentlichte sechste Jahresbericht des Außenministeriums zum weltweiten Menschenhandel. Darin wurde der Regierung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, nicht genug gegen Prostitution und Menschenhandel während der WM zu unternehmen. Deutschland sei "Quelle, Transitweg und Ziel" für Sex-Arbeiter und andere Opfer von Ausbeutung.

Bei der Anhörung am Mittwoch war kein Vertreter Deutschlands zugegen. In einer Erklärung der deutschen Behörden hieß es jedoch, das Land engagiere sich traditionell stark gegen Menschenhandel. Es gebe jedoch keinerlei Belege dafür, dass anlässlich der WM tatsächlich tausende Frauen nach Deutschland geschleust würden.

Bereits im Mai hatte der US-Abgeordnete und Menschenrechtsaktivist Christopher Smith erklärt, zur Weltmeisterschaft werde eine große Zahl von Frauen aus Russland, der Ukraine und anderen Ländern Osteuropas nach Deutschland gebracht.

Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble hatte Mitte März angekündigt, er werde Zwangsprostitution während der WM nicht dulden. Dies sei eine "Form von Sklaverei, die wir im 21. Jahrhundert mitten in Europa nicht akzeptieren sollten", sagte der CDU-Politiker. Allerdings sei das Problem nicht durch die WM entstanden. Vielmehr könne sie genutzt werden, "mehr öffentliches Bewusstsein über diesen Skandal zu schaffen". Noch in dieser Legislaturperiode solle ein entsprechender Gesetzentwurf gegen Zwangsprostitution eingebracht werden. (APA/AP)

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