USA will irakischem Öl-Sektor neuen Schwung geben

19. Juni 2006, 15:23
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Mit der Bildung besonderer Reparaturteams wurde begonnen - Vorschlag von Bush: Volk an Öl-Einnahmen beteiligen

Washington/Bagdad - Die USA und der Irak wollen den angeschlagenen irakischen Öl-Sektor wieder auf Vordermann bringen. US-Präsident George W. Bush teilte am Mittwoch mit, die USA hätten gemeinsam mit dem Irak mit der Bildung besonderer Reparaturteams begonnen. Diese sollen die durch Sabotage-Akte und Anschläge entstandenen Schäden an irakischen Öl-Anlagen schnell beseitigen.

Durch solche Mannschaften werde sichergestellt, dass die Öl- und Stromversorgung bei Zwischenfällen nicht lange unterbrochen werde, sagte Bush am Mittwoch in Washington. Bush hat zudem US-Energieminister Sam Bodman angewiesen, den irakischen Öl-Minister Hussain al-Schahristani in Bagdad zu treffen und ihm Wege aufzuzeigen, wie die USA zusätzliche Hilfe in dem Bereich leisten können. Der Besuch soll Bodman zufolge in Kürze stattfinden.

Weltweit drittgrößte Öl-Reserven

Der Irak verfügt über die weltweit drittgrößten Öl-Reserven. Nach Jahrzehnten des Kriegs, des Missmanagements, der Sanktionen und mangelnder Investitionen ist der Sektor jedoch extrem in Mitleidenschaft gezogen. Auch heute werden auf die Pipelines und andere Anlagen regelmäßig Anschläge verübt. Im Mai hat der Irak täglich 1,9 Millionen Barrel (ein Barrel = 159 Liter) Öl gefördert.

Vor Beginn der US-Invasion im Jahr 2003 waren es nach Angaben des US-Energieministeriums noch 2,6 Millionen Barrel. Mit angedachten Investitionen in Höhe von bis zu 20 Mrd. Dollar will der Golfstaat seine Produktion auf sechs Millionen Barrel pro Tag steigern. Mit einem neuen, noch für dieses Jahr geplanten Gesetz sollen auch weitere ausländische Investoren angelockt werden. Wegen der anhaltenden Gewalt und der unsicheren Rechtslage meiden viele das Land derzeit.

Bush: Volk an Öl-Einnahmen beteiligen

Bush schlug am Mittwoch zudem vor, das irakische Volk an den Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu beteiligen. Dazu solle eine Lizenz-Behörde eingerichtet werden. Im US-Bundesstaat Alaska besteht bereits ein ähnliches System zur Gewinnbeteiligung. "Es wäre eine interessante Idee, die sie erwägen sollten", sagte Bush, der den Irak am Dienstag überraschend besucht hatte. "Auf diese Weise kann gesagt werden: Egal wo du in diesem Land lebst - du hast an der Zukunft des Landes teil, weil dir die Energie-Ressourcen gehören." Iraks Ölreserven werden auf rund 115 Milliarden Barrel geschätzt.

Der irakische Ölminister erklärte unterdessen, der Golfstaat erwäge die Export-Pipeline nach Syrien wieder in Betrieb zu nehmen. Die Regierung in Damaskus müsse jedoch zusichern, dass die Leitung nicht Ziel von Sabotage-Akten werde, sagte al-Schahristani der Nachrichtenagentur Reuters. Die Pipeline war zu Beginn der US-Offensive durch Bomben beschädigt worden. Der Minister kündigte zudem tief greifende Reformen bei den die staatlichen Ölgesellschaften an, um die Korruption zu bekämpfen. (APA/Reuters)

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    Öl-Raffinerie in Dora bei Bagdad

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