Druck auf Irans Teamchef steigt

17. Juni 2006, 18:05
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Ivankovic in der Kritik - Ablöse steht im Raum - Ex-Austria-Sportchef Arie Haan wird als Nachfolge-Kandidat gehandelt

Friedrichshafen - Der iranische Fußball-Nationaltrainer Branko Ivankovic ist nach der 1:3-Auftaktniederlage seines Teams bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland gegen Mexiko in die Kritik geraten. Der Kroate, der sich für einen Besuch des umstrittenen Staatschefs Mahmud Ahmadinejad ausgesprochen hat, reagierte am Mittwoch gereizt auf Angriffe der iranischen Presse: "Ich habe keinen Grund, mich zu verteidigen."

Regierungsnahe iranische Sportzeitungen berichteten bereits über den ehemaligen Austria-Wien-Sportchef Arie Haan als möglichen Nachfolger von Ivankovic, dessen Vertrag nach der WM ausläuft. Der niederländische Ex-Nationalspieler Haan ist zur Zeit Coach von Persepolis Teheran. Zuvor hatte der ehemalige Trainer des VfB Stuttgart die Nationalmannschaft Chinas betreut.

Ivankovic' größter Fürsprecher, der iranische Verbandspräsident Mohammad Dadkan, tritt nach der WM zurück. "Wenn ich schuld daran bin, dass wir Mexiko nicht 5:0 geschlagen haben, okay, dann bin ich eben schuldig", meinte der noch amtierende Teamchef. Der Iran bestreitet sein zweites Spiel in Gruppe D am Samstag in Frankfurt/Main gegen Außenseiter Angola.

In einem Interview mit der "Sport Bild" sprach sich Ivankovic für einen WM-Besuch Ahmadinejads aus. "Unser Staatspräsident ist ein großer Fußballfan. Deshalb sollte er - genau wie alle anderen Regierungschefs und Staatsoberhäupter - das Recht haben, die Spiele mitzuerleben", erinnerte der Teamchef. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle ja auch bei jedem Auftritt der deutschen Mannschaft im Stadion sein. "Ich finde, dass man Sport und Politik trennen muss", sagte der Kroate.

Zahlreiche Politiker und Organisationen hatten sich gegen einen WM-Besuch Ahmadinejads ausgesprochen. Dieser hatte einen Deutschland-Aufenthalt nicht ausgeschlossen, wenn das iranische Team die Vorrunde überstehen sollte. Der umstrittene Präsident der islamischen Republik hat mehrfach den Holocaust geleugnet und dem Staat Israel das Existenzrecht abgesprochen. (APA/dpa)

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    Ivankovic: "Habe keinen Grund, mich zu verteidigen."

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