"Preissorge macht jetzt mehr als graduellen Schritt nötig"

8. Juni 2000, 15:44

Liebscher: "Zinsanstieg um 0,5 Punkte schadet Euroland-Konjunktur nicht"

Wien/Frankfurt - Von mehreren Seiten sei gegenwärtig Inflationsdruck vorhanden. Die Risken für die Preisstabilität würden von den Währungshütern heute höher eingeschätzt als noch vor wenigen Monaten, sagte Österreich Notenbank-Gouverneur Klaus Liebscher am Donnerstag nach der im Ausmaß überraschenden Anhebung des Euro-Leitzinses um 50 Basispunkte. Um diese Risken in den Griff zu bekommen, seien diesmal nicht nur graduelle Veränderungen, sondern ein "deutlicher Schritt erforderlich" gewesen, sagte Liebscher.

"Dieser Schritt hat aber keinen negativen Effekt auf das Wachstum in der Eurozone", ist Liebscher überzeugt. Die Konjunktur in Europa sei "robust". Das gelte auch für Österreich.

Liquiditätslage "generös"

Zu den Faktoren der EZB-Preissorgen führte Liebscher das starke Geldmengenwachstum und die Kreditentwicklung an. Die Liquiditätslage in der Eurozone bezeichnete er als "sehr generös". Aufwärtsisken bestünden auch noch aus dem Ölpreisniveau. Die Inflationsprognosen bewegten sich für 2000 und 2001 mit rund 2 Prozent auf dem Niveau der Stabilitätszielmarke. Über das Ausmaß der Zinserhöhung, die "den Markt sicher überrascht hat" sei im EZB-Rat lange diskutiert worden, der Schritt sei aber unumstritten gewesen.

Nicht zu sagen vermochte der OeNB-Gouverneur, ob es mit der heutigen Anhebung des maßgeblichen Euroleitzinssatzes um gleich 0,5 Prozentpunkte für die nächsten Monate getan ist oder nicht. (APA)

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