Provider zu EU Roaming-Vorhaben: "Planwirtschaft wie in der Sowjetunion"

30. Juni 2006, 13:54
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Kommission weist Vorwürfe zurück und erwartet mehr Wettbewerb

Trotz leichter Entschärfung, der WebStandard berichtete, stoßen die Pläne der EU-Kommission zur Regulierung der Roaming-Gebühren weiterhin auf heftige Proteste in der Mobilfunkbranche. Ein nicht genannter Branchenvertreter zog in der "Financial Times" den Vergleich mit der Sowjetunion. "Jemand entscheidet, dass eine Flache Vodka c kostet und es wird für x in jedem Geschäft der UDSSR verkauft. Die Kommission will einen Preis für ganz Europa festsetzen. Das ist Planwirtschaft", zitierte die Zeitung am Mittwoch eine nicht näher präzisierte Quelle.

Wettbewerbsverzerrung

"Die EU-weite Angleichung der Roaming-Tarife verzerrt den wettbewerbsintensiven Mobilfunkmarkt", glaubt auch die internationale Vereinigung der Handynetzbetreiber GSMA. Der letzte Kommissionsvorschlag sei Zeichen einer fehlerhaften politischen Ideologie, "die der Wirtschaft diktieren, was eine akzeptable Gewinnmarge ist", meinte GSMA-Chef Rob Conway in einer Aussendung. Eine Industrie, die jährlich mehr als 15 Mrd. Euro in neue Netze, Produkte und Services investiert, werde dadurch gefährdet.

Kostensenkungen

Sechs der größten Mobilfunk-Betreiber Europas - darunter die Deutsche Telekom-Tochter T-Mobile und die France Telekom-Tochter Orange - hatten Ende des Vormonats freiwillig angeboten, die betreiberinternen Roaming-Gebühren bis Herbst 2007 schrittweise auf 36 Cent zu senken und Handy-Telefonieren im Ausland damit auch ohne Gesetzeseingriff um bis zu 50 Prozent zu verbilligen.

"Wäre ich ein Mobilfunkbetreiber..."

Die EU-Kommission hält dennoch an ihren Vorhaben fest und wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. "Wäre ich ein Mobilfunkbetreiber, würde ich vermutlich auch so argumentieren", sagte Martin Selmayr, Sprecher von EU-Telekomkommissarin Viviane Reding, am Mittwoch zur APA. Fakt sei jedoch, dass durch den Vorschlag der EU-Kommission der Wettbewerb nicht gehemmt, sondern verstärkt werde.

Die Senkung der Roaming-Gebühren trifft die Mobilfunker hart. Branchenschätzungen zufolge lukrieren die Betreiber mit ihren rund 380 Millionen europäischen Mobilfunkkunden im EU-Durchschnitt 10 bis 15 Prozent ihrer Umsätze aus dem Roaming. Im Tourismusland Österreich sollen es sogar bis zu 30 Prozent sein.(APA)

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