RCB: Kurskorrektur noch nicht zu Ende

20. Juli 2006, 18:02
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Chefanalystin Kuras: "Viel gewonnen, mehr zerronnen" - Erst ab September wieder freundlichere Börsen-Stimmung - Wien könnte von schwacher US-Konjunktur profitieren

Wien - Die Kurskorrekturen an der Wiener Börse dürften noch nicht abgeschlossen sein, erst im dritten Quartal sollte es wieder aufwärts gehen, erwartet die Chef-Analystin der Raiffeisen Centrobank (RCB), Birgit Kuras. Die derzeitigen Belastungsfaktoren werden sich nicht plötzlich auflösen. Das Ende des Zinsanhebungszyklusses in den USA Ende Juni sollte aber wieder eine bessere Performance möglich machen, meinte Kuras am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien.

"Viel gewonnen, mehr zerronnen", so das Resümee von Kuras nach fünfeinhalb Monaten Börsegeschehen in diesem Jahr. Nach ATX-Höchstständen im Mai, die bei über 4.300 Punkten lagen, ging es seitdem in zwei Wellen bergab. Bis heute, Mittwoch Mittag, hat der ATX mit einem Stand von rund 3.300 Punkten seit Jahresbeginn gut 9 Prozent verloren.

Kuras geht davon aus, dass die Aktienkurse in Österreich noch weiter zurückfallen können. Bis September erwartet sie eine Bandbreite beim ATX zwischen 3.200 und 3.900 Punkten. Die positiven Wirtschaftsaussichten sollten die Bewertungsniveaus, dies sich jetzt auf absolut attraktiven Niveaus befinden, aber positiv stützen. Auf Unternehmensseite gebe es keine allzu großen Sorgen. Profitieren könnte Wien auch von der erwarteten Abschwächung der US-Wirtschaft, da dann die Ostbörsen und damit auch Wien wieder in den Vordergrund rücken sollte, so Kuras.

Streit zwischen Faktoren

Die RCB habe den Stimmungsumschwung zwar vorher gesehen, aber nicht in dem Ausmaß und so abrupt, meinte Kuras. Bestimmend für die derzeitige Situation an den Kapitalmärkten sei ein "Streit" zwischen makro- und mikroökonomischen Faktoren. Während gesamtwirtschaftliche Faktoren wie Zinsen und Inflation sich eher nachteilig auf das Börsegeschehen auswirkten, käme Unterstützung von Seiten der guten Entwicklung der Unternehmensgewinne.

Von der ersten Verkaufswelle im Mai seien die Emerging Markets und auch die Wiener Börse, die ebenfalls als Ostbörse wahrgenommen wird, überproportional stark betroffen worden. Für die zweite Verkaufswelle im Juni seien Befürchtungen über eine Wirtschaftsabschwächung in den USA mitverantwortlich gewesen, in Summe eine "fatale Kombination", meinte Kuras. Auch die RCB hat ihre US-BIP-Prognose 2006 von 3,3 auf 2,4 Prozent zurückgenommen. Einen weiteren Grund für die Talfahrt an den internationalen Börsen sieht Kuras in der Furcht vor einer nachlassenden Versorgung mit Liquidität und dem reduzierten "Risikoappetit" der Investoren.

Auf der Zinsseite geht die RCB von einer weiteren Zinsanhebung der US-Notenbank um 25 Basispunkte Ende Juni aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte bis Jahresende die Leitzinsen von derzeit 2,75 Prozent um 50 Basispunkte und Anfang 2007 um weitere 25 Basispunkte erhöhen. Bei 3,5 Prozent müsste dann Ende sein, meinte Kuras.

Der "fair value" des ATX liegt nach RCB-Berechnungen theoretisch bei 4.180 Punkten. Bis September sollte der ATX in einer extrem hohen Bandbreite von 3.200 bis 3.900 Punkten schwanken und Ende September bei 3.700 Punkten liegen. Per Ende Dezember rechnet die RCB mit 4.000 Punkten, Ende März 2007 mit 4.100 Punkten und Ende Juni 2007 wieder mit 4.000 Punkten.

In ihrem Kapitalmarktausblick für das dritte Quartal stellt die RCB die Aktien von AT&S (Kursziel: 18,50 Euro), Erste Bank (50 Euro) und Schoeller-Bleckmann (SBO) mit Kursziel 38 Euro als Kaufempfehlungen in den Vordergrund. Die Kaufempfehlungen aus dem zweiten Quartal für Rosenbauer (86 Euro) und Verbund (43 Euro) blieben bestehen, so Claudia Vince-Bsteh, Leiterin der RCB-Aktienanalyse.

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    Bestimmend für die derzeitige Situation an den Kapitalmärkten sei ein "Streit" zwischen makro- und mikroökonomischen Faktoren, so Brigitte Kuras.

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