Männerbericht: "Farce ohne Nutzen"

14. Juni 2006, 20:02
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SP-Binder-Maier: Mit Gender Mainstreaming nichts zu tun - SP-Heinisch: Gewalt-Thema fehlt - Grüne Weinzinger: "Armselig"

Wien - Haupt-Tagesordnungspunkt des am Mittwoch (14. Juni) stattfindenden Gleichbehandlungsausschusses ist der Männerbericht. SPÖ-Nationalrätin und Frauenvorsitzende Niederösterreichs, Gabriele Binder-Maier, kritisierte, dass es sich dabei um eine "reine Zusammenfassung diverser Studien zum Thema Männer" handle. "Dieser Bericht hat mit Gender Mainstreaming nichts zu tun. Lösungsansätze zu einem partnerschaftlichen und gleichberechtigten Miteinander von Männern und Frauen fehlen völlig. Er ist schlicht und einfach eine Farce ohne Nutzen", stellte Binder-Maier in einer Aussendung fest.

Kritik auch von Heinisch-Hosek

Kritisch äußerte sich auch SPÖ-Frauen- und Gleichbehandlungssprecherin Gabriele Heinisch-Hosek. Neben der Tatsache, dass es sich um eine Zusammenfassung von Einzelstudien handle, kritisierte sie besonders, dass das Thema "Gewalt von Männern gegen Frauen und Kinder" fast zur Gänze fehlt. Dafür wird im Kapitel "Männerarbeit" die Expansion der Männerberatungsstellen und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit vorgeschlagen. Wieviel Budget dafür vorgesehen ist, diese Frage bleibt unbeantwortet, so die SPÖ-Frauensprecherin.

Bemerkenswert sei auch, dass der Männerbericht über weite Strecken nicht den Anforderungen der geschlechtsneutralen Formulierungen entspreche. Ob dies ein bewusstes Vorgehen oder einfach mangelndes Feingefühl sei, bleibe der Bewertung der ÖsterreicherInnen überlassen, schloss Heinisch-Hosek.

Weinzinger: Schlechter Dienst für Geschlechterdemokratie

Die grüne Abgeordnete Brigid Weinzinger hielt es grundsätzlich für begrüßenswert, dass es einen Männerbericht gibt. Umso bedauerlicher sei, dass noch immer kein Frauenbericht vorgelegt wurde. Was die Inhalte angeht, so wurden zumindest die gröbsten sexistischen Vereinfachungen, die in den einzelnen Studien zu finden waren, weggelassen. Als Beispiele führte sie an, dass etwa von einem "genetisch-hormonellen Trieb zur Dominanz" gesprochen wird oder von einem "angeborenen Impuls der Frauen", sich um die Kinder zu kümmern und die Familienangehörigen zu pflegen.

Aber auch der Rest des Berichts sei mehr als armselig, wodurch man der Geschlechterdemokratie einen schlechten Dienst erwiesen habe. Es wurden zwar einige wichtige Themen, die in der Männerforschung derzeit diskutiert werden, aufgegriffen, räumte die Rednerin ein. Diese wurden dann aber in eine revisionistische, frauenfeindliche Politik umgemünzt. Sie bedauerte, dass es nun im Plenum keine Gelegenheit mehr geben wird, darüber zu debattieren, wie man sich überhaupt traue, einen solchen Bericht im Jahr 2006 zu präsentieren. (red)

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    Dem Männerbericht mangle es an wesentlichen Inhalten, kritisieren die SPÖ-Frauen.
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