"Dort wo wir sind, haben wir das beste Netz"

30. Juli 2006, 20:52
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One startet HSDPA und lädt bis 31. Juli zum kostenlosen Test seines UMTS-Netzes - Angebot: Sony Vaio-Laptop und Datenkarte um 799 Euro

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen setzen Mobilfunker verstärkt auf Datendienste. Der drittgrößte heimische Netzbetreiber One versucht es mit mobilen UMTS-Datenkarten. Am Mittwoch verkündete Firmenchef Jorgen Bang-Jensen den Start einer "Breitband Offensive."

HSDPA gestartet

Eingeläutet wird diese Offensive mit dem Start von HSDPA im One UMTS-Netz. Laut Bang Jensen sind mit der Technik nun Geschwindigkeiten von 1,8 Mbit/Sek. Beim Download und 384 Kbit/sec beim Upload möglich.

"Dort wo wir sind, haben wir das beste Netz"

"Dort wo wir sind, haben wir das beste Netz", betonte der One-Chef. Allerdings ist diese Geschwindigkeit vorerst nur im ersten Wiener Gemeindebezirk zu erreichen. Der restliche HSDPA-Ausbau soll in den kommenden Monaten stufenweise erfolgen. Zuerst ist Wien an der Reihe, wo One rund 44 Prozent seiner Kunden hat. Das gesamte UMTS-Netz soll Ende 2007 aufgerüstet sein. Zur Zeit hat One eine UMTS-Abdeckung von 62 Prozent.

Test

Geneigte Kunden können bis 31. Juli dieses Jahres das UMTS-Netz mit einer Datenkarte kostenlos ausprobieren. Die dafür nötige Hardware bekommt man gratis zur Verfügung gestellt.

Zusätzlich bietet One ein Laptop samt Datenkarte an. Für 24 Monate Bindung bekommt man das Sony Vaio VGN-FS 485 B, samt DVD-Brenner und 80 GB Festplatte, um 799 Euro. Im Handel ist das Gerät um rund 930 Euro zu erstehen.

Potenzial

Laut Bang-Jensen verfügen rund eine Million Haushalte in Österreich über ein Laptop. Davon haben bereits 100.000 eine Datenkarte, die hauptsächlich für Email und "normales" surfen im Netz genutzt werden.

Kein Kommentar

Zu Meldungen über einen baldigen Verkauf von One wollte Bang-Jensen nichts sagen: Es gibt "generell keinen Kommentar" dazu. One gehört zu 50,1 Prozent dem deutschen Energiekonzern E.ON, der seinen One-Anteil seit Jahren verkaufen will. Nach Angaben von informierten Kreisen führen der französische Telekommunikationskonzern France Telecom und der US-Finanzinvestor Carlyle derzeit Gespräche über eine One-Übernahme um mehr als 1,5 Mrd. Euro.

Hinderlich

France Telecom hält derzeit über ihr Tochterunternehmen Orange 17,45 Prozent an One. Der norwegische Telekommunikationskonzern Telenor hält 17,45 Prozent und die dänische TDC 15 Prozent. Die One-Eigentümer sind durch einen komplizierten Syndikatsvertrag aneinander gebunden, der bisher einem Verkauf hinderlich war.

Umbau zum Billiganbieter

Der Eigentümerwechsel könnte sich daher laut Branchenkreisen noch bis zu einem halben Jahr hinziehen. Wird One von einem strategischen Partner wie France Telecom übernommen, dürfte sich am Geschäftsmodell kaum was ändern, hieß es in Branchenkreisen zur APA. Steigt hingegen ein Finanzinvestor ein, sei ein Umbau auf einen Billiganbieter wahrscheinlich. Jedenfalls müsse der neue One-Eigentümer im heißumkämpften österreichischen Handymarkt die Kosten drücken, hieß es.

Nach der Übernahme von tele.ring durch T-Mobile will One künftig aggressiver mit "noch einfacheren Tarifen" auftreten, kündigte Bang-Jensen heute an. Tarifsenkungen seien demnächst auch im Roaming bei Sprachtelefonie und Datenübertragung geplant. Von der EU-Kommission beabsichtigten massiven Senkung bzw. Streichung der Roaming-Gebühren hält Bang-Jensen weiterhin nichts: "Die EU versteht nicht, dass dies ein massiver Eingriff in die Wirtschaftlichkeit der Mobilfunkunternehmen wäre".

Im ersten Halbjahr habe One vor allem von T-Mobile und der Mobilkom Kunden dazugewonnen, wobei der Großteil des Zuwachses auf die One-Diskonttochter Yesss! entfiel, berichtete Bang-Jensen. Yesss! hat seit dem Start vor knapp mehr als einem Jahr mehrere hunderttausend Kunden gewonnen.

75 Millionen Euro

Die Investitionen von One belaufen sich 2006 auf 75 Mio. Euro, der Großteil davon fließt in den Aufbau des UMTS- und HSDPA-Netzes. Mobiles Breitband sei ein Wachstumstreiber für den Mobilfunk, so der One-Chef. Ein Drittel der rund 3 Mio. österreichischen Haushalte sei bisher mit einem Laptop ausgestattet, es seien aber erst 100.000 mobile Datenkarten in Österreich verkauft. Das Potenzial liege damit bei mindestens 900.000 Datenkarten, rechnete Bang-Jensen vor. One hat derzeit 45.000 UMTS-User, die UMTS-Abdeckung liegt bei 62 Prozent und soll bis Ende 2007 auf 80 Prozent ausgebaut werden.

Spät

One ist mit dem HSDPA-Ausbau verglichen mit dem Mitbewerb relativ spät dran. T-Mobile Austria versorgt eigenen Angaben zufolge österreichweit als erster Mobilfunkbetreiber bereits alle Städte und Orte ab 4.000 Einwohnern mit HSDPA. Die Mobilkom Austria will HSDPA letzten Angaben zufolge bis Ende Juni in allen Landeshauptstädten anbieten. Ein schnellerer HSDPA-Ausbau hätte nichts gebracht, weil die Technologie noch nicht reif dafür gewesen sei, meinte Bang-Jensen heute dazu. Hutchison plant wie One einen flächendeckenden HSDPA-Aufbau bis Ende 2007. Auch hier verweist man auf eine noch nicht konsumententaugliche Technik.(sum/APA)

  • "Dort wo wir sind, haben wir das beste Netz". Jorgen Bang-Jensen bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Wien
    foto: sum

    "Dort wo wir sind, haben wir das beste Netz". Jorgen Bang-Jensen bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Wien

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