Ronaldo im Visier der Kritiker

15. Juni 2006, 11:52
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Der brasilianische Stür­mer war gegen Kroatien nicht allzu lauffreudig, nun muss er sich schlimmerer Kritik als vor dem Turnier aussetzen

Berlin - Der im Vorfeld der WM als "Pudding" und "Disco-König" von den Medien hart kritisierte und auch unter der Gürtellinie attackierte Brasilianer Ronaldo leistete sich im Auftaktmatch gegen Kroatien (1:0) einen Totalausfall. Das deutsche Boulevard-Blatt "Bild" taufte den 29-Jährigen daraufhin sogar kurzerhand in "Pummelnaldo" um.

Parreira steht hinter seinem Star

Dennoch stellte sich Teamchef Carlos Alberto Parreira nach Schlusspfiff demonstrativ vor den Real-Madrid-Angreifer und sprach diesem auch für das Sonntagsspiel in München gegen Australien einen Platz in der Startelf zu: "Ronaldo wird von Beginn an spielen. Er muss seinen Rhythmus finden. Er ist ein Spieler, der ein Spiel entscheiden kann."

Parreira verwies darauf, dass Ronaldo auf Grund seiner Serie von kleineren Verletzungen in der abgelaufenen Saison seit zwei Monaten kein Pflichtspiel bestritten hatte. "Daher ist es kein Wunder, dass er schwerfällig wirkte. Und die hohen Temperaturen haben auch nicht wirklich geholfen."

Leichte interne Kritik

Nach einer indiskutablen Leistung wurde Ronaldo in der 69. Minute unter einem gellenden Pfeifkonzert ausgewechselt und durch Robinho ersetzt. Den Großteil seiner Einsatzzeit hatte Ronaldo (im Abseits) stehend verbracht, dem Starkicker unterliefen ungewöhnliche Fehler bei der Ballannahme. Dennoch hätte er bei seiner einzigen gefährlichen Aktion Anfang der zweiten Spielhälfte beinahe das 2:0 erzielt.

Goldtorschütze Kaka, der vor der WM Ronaldo verteidigt und gemeint hatte, er sei in den letzten Jahren nur größer und stärker geworden, drückte sich bezüglich Ronaldo nobel aus: "Ein bisschen mehr Bewegung von Ronaldo wäre ideal für uns."

Erinnerungen an Toni Polster

Austria-Wien-Tormann Joey Didulica konnte über die herbe Kritik an Ronaldo nur lächeln. "Er wird auch bei dieser WM seine drei, vier Tore machen. Ronaldo ist ein spezieller Typ, wenn er am Ball ist, dann brennt der Hut."

Kein Wunder, dass auch Deutschlands Entertainer Harald Schmidt nach der Partie seinen Senf zur Leistung Ronaldos abgab: "Ronaldo hat mich ein bisschen an den sehr späten Toni Polster erinnert. Er hatte sehr viel Übersicht vorne, man hat aber teilweise versäumt, ihm die Bälle so hinzuspielen, dass er nur wie eine Tipp-Kick-Figur den Unterschenkel bewegen muss."

Der langjährige Weltklassekicker und nunmehrige deutsche TV-Experte Günter Netzer ist normalerweise bekennender Ronaldo-Fan, meinte jedoch ebenfalls: "Ich betrachte diese Leistung von Ronaldo als Arbeitsverweigerung."

"Ronaldo war eine Doppel-Null"

Laut Otto Baric "hat Brasilien praktisch ohne Sturm gespielt. Ronaldo war eine Doppel-Null und Adriano auch nicht viel besser. Sie waren zu unbeweglich, zu statisch und sind zu wenig gelaufen. Sie entsprechen einfach nicht mehr dem modernen Spiel".(APA)

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    Ronaldo schleicht vom Platz.

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