Wörtherseebühnen-U-Ausschuss: Zanella erschien und verweigerte Aussage

22. Juni 2006, 17:03
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Zeugenbefragungen damit beendet, Abschlussbericht in Vorbereitung

Klagenfurt - Nach mehreren vergeblichen Anläufen ist am Mittwoch der Beinahe-Intendant der Wörtherseebühne, Renato Zanella, vor dem Untersuchungsausschuss des Kärntner Landtages erschienen. Erhellend war sein Auftritt allerdings nicht, denn er verweigerte die Aussage. Damit sei aber, so sein Anwalt, keinerlei Eingeständnis verbunden; die Vorwürfe gegen seinen Mandanten bezeichnete er als "völlig haltlos". Der vom Landtag zur Aufklärung der Vorgänge rund um die Seebühne eingesetzte U-Ausschuss hat damit die Zeugenbefragungen beendet, nun soll der Abschlussbericht vorbereitet werden.

Keinerlei Statement

Zanella, der in der Spielsaison 2004 das Musical "Tosca: Amore disperato" auf die Seebühne gebracht hatte, erschien mit seinem Anwalt Bernhard Fink vor dem U-Ausschuss. Zum Auftakt verkündete Fink, man lehne den Ausschussvorsitzenden, SPÖ-Klubobmann Peter Kaiser, sowie die SPÖ-Mandatarin Nicole Cernic wegen Befangenheit ab. Begründung: Beide säßen im Aufsichtsrat der Betreibergesellschaft der Seebühne. Kaiser wies den Vorwurf der Befangenheit dezidiert zurück, zumal er erst seit Ende 2004, also nach Abschluss jener Saison, welche der Ausschuss überprüfen solle, in den Aufsichtsrat entsandt worden sei.

Fink erklärte anschließend, sein Mandant habe sich strafrechtlich absolut nichts zu Schulden kommen lassen, trotzdem wolle er von seinem Recht, nicht auszusagen, Gebrauch machen. Zanella bestätigte diese Aussage seines Rechtsvertreters noch selbst. Nach wenigen Minuten war sein Auftritt beendet, der ehemalige Direktor des Wiener Staatsopernballetts verließ das Klagenfurter Landhaus wieder, auch Journalisten gegenüber gab es kein Statement.

"Verhalten wie ein Beschuldigter"

Danach beschloss der U-Ausschuss, keine weiteren Befragungen mehr durchzuführen. Kaiser wurde beauftragt, ein Konzept für einen Endbericht zu erstellen. "Wir wollen dabei aber nicht nur die Vergangenheit möglichst genau dokumentieren, sondern auch einen Vorschlag erarbeiten, wie solche Fehler in Zukunft, soweit von politischer Seite beeinflussbar, vermieden werden können", sagte Kaiser.

Die Aussageverweigerung Zanellas werde man "als solche mit entsprechender Bewertung" in den Abschlussbericht aufnehmen, so Kaiser. Verwundert zeigte sich der SPÖ-Politiker über das Verhalten des Beinahe-Intendanten: "Er hat sich eigentlich nicht wie ein Zeuge verhalten, sondern wie ein Beschuldigter, das beginnt bei der Ablehnung meiner Person wegen Befangenheit und endet bei der verweigerten Aussage." Es sei schade, dass Zanella die Gelegenheit nicht genutzt habe, um seine Sicht der Dinge darzustellen, immerhin habe der ehemalige Geschäftsführer der Betreibergesellschaft erklärt, Zanella habe "de facto" als Geschäftsführer fungiert.

Einhelligkeit nicht erwartet

Neben der Dokumentation der gesammelten Fakten - Hunderte Seiten an Akten und Gesprächsprotokollen wurden vom U-Ausschuss gesammelt - werde es auch eine politische Bewertung der Vorgänge rund um die Bühne geben. "Da rechne ich allerdings nicht unbedingt mit Einhelligkeit im Gremium", sagte Kaiser. (APA)

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