Uni-Forscher klopfen auf Fördertöpfe

20. Juni 2006, 19:04
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Trotz prekären Hochschulbudgets und geringer Förderquoten forschen die Unis breit gefächert und werken an innovativen Projekten

Trotz prekären Hochschulbudgets, geringer Förderquoten und desolater Labore forschen die Unis breit gefächert und werken an innovativen Projekten. Das Team des UniStandard berichtet diese und nächste Woche.

Konkurrenz um Fördermittel prägt die Forschungslandschaft an Österreichs Unis. "Das Grundbudget deckt Lehraufgaben, teilweise Personalmittel und Mieten", konstatiert wie Peter Swetly, Vizerektor für Forschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW). "Projekte werden in hohem Maße durch Drittmittel finanziert." Dem Lissabon-Ziel entsprechend kommen nur knapp 30 Prozent aus öffentlicher Hand, dem Forschungsförderungsfonds (FWF), den Bundesministerien oder aus EU-Mitteln.

"Niedrige Genehmigungsraten bei EU-Projekten bei hohem Aufwand zur Erstellung von Proposals" widerstreben Uni-Graz-Vizerektor Friedrich Zimmermann, der auf Vereinfachung pocht. Uni-Salzburg Rektor Heinrich Schmidinger sieht in der Vor- und Zwischenfinanzierung der EU-Projekte große finanzielle Lasten: "Ab der Antragstellung werden Ressourcen benötigt, welche teils die Liquidität der Uni binden." Die EU sieht für Forschungsförderung bis 2013 rund 54,2 Mrd. € vor.

Die Forschung habe gegenüber der Lehre noch nicht den Stellenwert erreicht, der international üblich ist, betont Swetly. Auch Heinrich Mayr, Rektor der Uni Klagenfurt, ortet Hindernisse, die in der hohen Lehrbelastung wurzeln. Die Wirtschaftsuniversität Wien versucht daher, Lehrende für die Forschung zu entlasten. Ein reizvoller Zug, denn, wie Zimmermann weiß, "es fehlt Österreich an Human Power, um international konkurrenzfähig zu sein".

Eine massive Belastung bringe das Rennen um Drittmittel mit sich: "Da geht viel Zeit verloren", weiß Mayr. Hauptsorge der VUW ist, wie Swetly sagt, die Überalterung der Labore, denn: "Drittmittel sehen kaum Zuweisungen für Investitionen vor." Genauso der Tenor des Montan-Uni-Rektors Wolfhard Wegscheider, der die "unzureichende Finanzierung der Infrastruktur durch den Bund" bekrittelt. Er sieht die Zusammenarbeit mit der Industrie gefährdet: "Kein Unternehmen kooperiert mit Unis, die nicht nach dem State of the Art ausgestattet sind." Uni-Wien-Magnifizenz Georg Winckler kritisiert die Forderung, dass die Unis in der Grundlagenforschung drittmittelstark werden sollen ohne das Vorhandensein einer interessierten Industrie oder eine nachhaltige Steigerung der FWF-Mittel. Trotz Zuwachses auf 122,4 Mio. € sei dieser "zu gering dotiert", meint Horst Mayr. Die Wiener Alma Mater schöpfte 2002 rund 355 Mio. €aus den Töpfen, kleinere Unis wie das Mozarteum forschen mit knappen 769.000 €.

Grundlagenforschung ist die zweckfreie, nicht anwendungsorientierte Forschung, welche die Basis für Innovationen darstellt. Sie könne nur über Kofinanzierung gewährleistet werden, ist Medizin-Uni-Graz-Rektor Gerhard Walter überzeugt. 48,7 Prozent der Uni-Forschungsetats gehen an die Grundlagenforschung, angewandte Forschung macht 40,4 Prozent aus, der Rest bleibt für experimentelle Entwicklung.

Ein Problem, das Clemens Sorg, Rektor der Medizin-Uni Innsbruck, diagnostiziert, betrifft den Nachwuchs: "Es muss attraktiver werden, eine wissenschaftliche Laufbahn an der Universität einzuschlagen." Das betreffe Gehälter und vernünftige Karriereschemata sowie die Möglichkeit, früh eigene Projekte umzusetzen. Dem stimmt Horst Mayr von der Uni für Bodenkultur zu: Die mangelnde Attraktivität der Unis für die "besten Köpfe" würde durch das Fehlen eines Kollektivvertrags verursacht. "Wichtigste Aufgabe ist die Entwicklung von Karrieremodellen für Jungwissenschafter", sagt Winckler.

Enge Richtlinien

Mit elementaren Problemen haben die Kunst-Unis zu kämpfen. Es gehe darum, ein "Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu schaffen, wie sich Forschung in diesem Sektor darstellt", erklärt Otto Kolleritsch, Rektor der Kunst-Uni Graz. Es stelle sich die Frage nach "künstlerischer Forschung im Kontext eines wissenschaftlichen Forschungsbegriffs", sagt Andreas Spiegl, Vizerektor für Forschung der Akademie der Bildenden Künste: "Die Hürden liegen da, wo sich die Bedingungen für mögliche Förderungen an allein wissenschaftlichen Methoden orientieren." Der FWF hat das "Translational Research Programm" in den Richtlinien erweitert, dass es für Projekte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst zugänglicher wird. (DER STANDARD Printausgabe, 14. Juni 2006)

Von Isabella Hager und Jan Marot
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    Tausende Forschungsprojekte laufen an Österreichs Unis, aber nicht alle unter Laboratmosphäre.

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