Premiere erwägt Klage gegen Sendelizenz für Arena

21. Juni 2006, 09:50
posten

Arena will bis zum Start der Bundesliga-Saison im August eine halbe Million Kunden gewonnen haben

Der Bezahlfernsehsender Premiere erwägt eine Klage beim Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen die Sendelizenz für den Rechtevermarkter Arena, an den er die Live-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga verloren hat.

"Wir erwägen eine entsprechende Klage"

"Wir erwägen eine entsprechende Klage", sagte ein Premiere-Sprecher am Dienstag. Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hatte am Montag mitgeteilt, dass Premiere gegen die Sendelizenz von Arena zwar keinen Widerspruch einlegen könne. Dies könnten nur Beteiligte, die einen Bescheid über die Lizenzvergabe bekommen hätten. Dem Bezahlfernsehsender stünde aber der Weg einer Klage beim Verwaltungsgericht offen.

Lizenz

Die LfM hatte Arena im März eine Lizenz für ein bundesweit verbreitetes Spartenprogramm "Arena Bundesliga" für zehn Jahre erteilt. Arena ist eine Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media. Damit tritt erstmals ein Netzbetreiber selbst als Programmveranstalter auf, womit ein Präzedenzfall geschaffen wurde. Bereits bei der Vergabe der Lizenz hatte die Medienanstalt selbst auf Probleme hingewiesen, die durch die Erteilung an einen Kabelnetzbetreiber entstehen könnten.

Medienaufsicht

Auch die Medienaufsicht KEK hatte für die Sendelizenz für Arena grünes Licht gegeben. Solange noch nicht klar sei wie hoch der Zuschaueranteil des Arena-Programms sein werde, gebe es auch noch keine Anhaltspunkte für die Entstehung vorherrschender Meinungsmacht und daher kein Handlungsbedarf.

Kunden

Einem Zeitungsbericht zufolge will Arena bis zum Start der neuen Bundesliga-Saison im August eine halbe Million Kunden gewonnen haben. Arena hatte Premiere bei der Vergabe der exklusiven Fernseh-Live-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga ab der kommenden Saison für drei Jahre ausgestochen. Derzeit baut Arena gerade sein Programm für die Bundesliga auf. Gleichzeitig verhandelt Arena mit Deutschlands größtem Kabelanbieter Kabel Deutschland und mit Kabel Deutschland über die Einspeisung seines Programms in die Netze der beiden. Die Richtlinien der Deutschen Fußball-Liga (DFL), 40 Prozent der deutschen Haushalte mit Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga zu versorgen, braucht Arena Kabel Deutschland allerdings nicht einzuhalten, da die entsprechende Versorgung über Satellit sicher gestellt ist.

Internet-Konkurrenz

Gleichwohl wäre der Kabel-Zugang zu den zehn Millionen Haushalten wichtig, um sich gegen die Internet-Konkurrenz der Deutschen Telekom zu behaupten. Die Bonner haben sich die Internet-Rechte gesichert und zeigen die Bundesliga zusammen mit Premiere über Breitband. In einem ersten Schritt sollen drei Millionen Telekom-Kunden Zugang zu diesem Angebot haben. Der Medienanstalt Nordrhein-Westfalen zufolge, könnte die fehlende Sendelizenz der Telekom diese Bundesliga-Pläne allerdings gefährden. Der LfM zufolge könnte die Telekom eine Sendelizenz benötigen, da der Konzern damit zum Fernseh-Anbieter wird. Telekom und Premiere argumentieren dagegen, dass Premiere für die Programminhalte verantwortlich ist und eine Sendelizenz hat. (APA/Reuters)

Share if you care.