Winterthur geht an französische AXA

11. Juli 2006, 09:44
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Die Schweizer Großbank Crédit Suisse verkauft ihre Versicherungstochter Winterthur an den zweitgrößten Versicherungskonzern Europas

Zürich/Frankfurt - Der französische Axa-Konzern übernimmt die Schweizer Winterthur-Versicherungen und steigt damit zum größten europäischen Versicherungskonzern auf. Bisher galt die Allianz als Branchenprimus in Europa. Die Franzosen kaufen der Credit Suisse für 12,3 Milliarden Franken (7,9 Mrd. Euro) die Versicherungstochter ab.

Axa-Konzernchef Henri de Castries sagte am Mittwoch, Axa werde in der Schweiz auf einen Schlag zur Nummer eins in der Sach- und zur Nummer Zwei in der Lebensversicherung. Zugleich werde die Stellung von Axa in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien erheblich gestärkt.

Zwar steige Axa mit dem Geschäft zum europaweit größten Versicherungskonzern auf, sagte Reiner Klöcker, Fondsmanager bei Union Investment. Dennoch erwartet er kaum Auswirkungen auf den Allianz-Konzern. Winterthur sei vor allem in der Schweiz aktiv. In Deutschland verbessere sich die Position von Axa lediglich von Platz sieben auf Rang fünf.

Genehmigung noch ausständig

Die Übernahme von Winterthur durch Axa muss von Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden in aller Welt genehmigt werden und soll gegen Jahresende abgeschlossen sein. Dann erhält Crédit Suisse (CS) 12,3 Mrd. Franken in bar, wie CS-Präsident Walter B. Kielholz und Axa-Konzernchef de Castries in Zürich sagten. Zudem übernimmt Axa Schulden der Winterthur bei CS von 1,6 Milliarden Franken.

Stellenabbau in Deutschland

Über die Konsequenzen für die knapp 19.000 Winterthur-Beschäftigten in 17 Ländern machten die Beteiligten zunächst keine genauen Aussagen. De Castries deutete allerdings einen größeren Stellenabbau in Deutschland an. Kurzfristige Restrukturierungen seien nötig, um eine langfristige Stärkung des Deutschland-Geschäfts zu erreichen. Entsprechende Entscheidungen würden in Zusammenarbeit mit Management und Gewerkschaften gefällt.

Die Crédit Suisse will den Verkaufserlös in die Weiterentwicklung des Bankgeschäfts investieren, wie CS-Präsident Kielholz betonte. Großübernahmen seien aber nicht geplant. Mit dem Verkauf der Winterthur-Versicherungen begräbt der zweitgrößte Schweizer Finanzkonzern seine Allfinanz-Strategie. Credit Suisse hatte den Versicherungskonzern 1997 für gut 14 Milliarden Franken übernommen, ohne dass Geld floss: Das Geschäft wurde mit einem Aktientausch abgewickelt.

"Einzigartige Gelegenheit"

"Ich bin sicher, dass die Winterthur in gute Hände kommt", sagte Kielholz. Kunden und Personal profitierten davon langfristig mehr als von einem Börsengang mit all seinen Risiken. Axa-Chef de Castries bezeichnete die Transaktion als einzigartige Gelegenheit zur Festigung der führenden Position von Axa auf den europäischen Kernmärkten.

Die kombinierten verwalteten Vermögen summierten sich Ende 2005 auf 1,164 Billionen Euro. Das Geschäftsvolumen von Axa steigt von 74,3 Milliarden auf 92,6 Milliarden Euro. (APA/AP)

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