Berlin: Neue Fälle von Gewalt an Schulen

24. Oktober 2006, 14:03
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Weitere Gewalttaten an Berliner Schulen erschüttern die Öffentlichkeit. Präsident Horst Köhler forderte von Lehrern die bessere Vermittlung von Werten

Berlin - Prügelnde Schüler, Waffen zur Selbstverteidigung und hilflose Lehrer: Vieles läuft verkehrt in Berliner Schulen. Und das nicht erst seit vergangenem März, als Lehrer der Rütli-Schule in dem als "Problembezirk"bezeichneten Stadtteil Neukölln Alarm schlugen. Die Gewalt an vielen Schulen eskaliere, man könne ihr nur mehr schwer Einhalt gebieten, so unisono der Hilferuf. Dieser ist noch kaum verhallt, schon gibt es Meldungen über neue Zwischenfälle in Berlin.

Nach einer Schlägerei an der Berliner Leistikow-Hauptschule im Stadtteil Zehlendorf sind am Dienstag acht Jugendliche vorübergehend festgenommen worden. Die Ursache für die Auseinandersetzung zwischen einem 16-Jährigen und mindestens acht Mitschülern war nach Angaben der Polizei nicht auszumachen.

Am vergangenen Donnerstag hatten zwei Jugendliche den Direktor einer Schule im Bezirk Neukölln niedergeschlagen und leicht verletzt. Nach einem Elternabend attackierte ein 17-jähriger Schüler den Schulleiter, sodass dieser stürzte. Ein 15-Jähriger trat daraufhin auf den am Boden liegenden Rektor ein. Das Opfer wurde leicht verletzt, der 53-jährige Mann trug Schürfwunden und Prellungen davon.

Die zunehmende Gewalt unter Jugendlichen veranlasste vor knapp zwei Wochen den deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler, sich zum Problem zu äußern. Köhler forderte die bessere Vermittlung von Werten und Pflichtgefühl im Unterricht. "Freiheit heißt immer, es gibt eine Bindung an Verantwortung. Und das haben wir vernachlässigt", erklärte er in einem ARD-Interview.

Die deutsche Bundesregierung will indes für bereits straffällig gewordene Jugendliche bessere Haftbedingungen einführen. In einem Gesetzesentwurf forderte Justizministerin Brigitte Zypries Mindeststandards für die Behandlung jugendlicher Straftäter: Unter anderem soll es mehr Schul- und Ausbildungsplätze, ausgedehntere Besuchszeiten und ein einfacheres Beschwerderecht für die Häftlinge geben. (DER STANDARD-Printausgabe, 14.6.2006))

Von Julian Ausserhofer
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