Schenz: Abfindungsverhandlungen im kleinen Kreis üblich

26. Juni 2006, 11:06
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Dass Ex-Bawag-Chef Elsners Abfindung nur von Vorstand und Aufsichtsratspräsident verhandelt wurde war nicht außergewöhnlich

Wien - Richard Schenz, Ex-OMV-Chef und seit April neu im Aufsichtsrat der BAWAG P.S.K., hat zur Begrenzung des finanziellen Schadens eine klare Botschaft an den hochverschuldeten Bank-Eigentümer ÖGB gerichtet: "Bevor die Bundeshaftung in Kraft tritt, müsste sich der ÖGB wirklich von allem, was nicht betriebsnotwendig ist, entledigen. Wozu besitzen die Wohnungen? Wozu besitzen die Urlaubshäuser?", so Schenz am Mittwoch im ORF-Radio.

Die Regierung werde Bundeshaftungen für Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten nicht zur Routine machten, betonte der Kapitalmarktbeauftragte der Regierung.

Der BAWAG-Skandal habe dem Image des österreichischen Finanzmarktes geschadet, glaubt Schenz. "Temporär" werde der Finanzplatz leiden, aber die Wirkung sollte sich bald wieder geben.

"Ich werde im Aufsichtsrat dafür plädieren, dass die BAWAG den österreichischen Corporate Governance-Kodex komplett übernimmt und nicht einen eigenen strickt", so Schenz weiter. Durch die Wohlverhaltensbestimmungen sollen Vorkommnisse wie beim BAWAG-Skandal künftig verhindert werden.

In Sachen Abfindung

Dass die Abfindung über umgerechnet 6,8 Mio. Euro für Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner nur vom Vorstand und dem Aufsichtsratspräsidium verhandelt wurde, sei damals "nicht unüblich gewesen", sagte Schenz. Auch bei der OMV, die er früher geleitet hat, sei das früher üblich gewesen.

Allerdings hätten die anderen BAWAG-Aufsichtsräte Fragen zur Abfindung stellen müssen. Etwa die Frage, ob der Pensionsanspruch gemäß Vertrag versicherungsmathematisch errechnet worden sei und ob der Barwert die genannte Summe ausmache. "Wenn da der Präsident sagt, ja, das ist die Summe, dann ist das in Ordnung. Dann braucht der Aufsichtsrat nicht einmal über die Höhe informiert werden", so Schenz.

Dann hätte es auch keine Überraschung von Seiten der Aufsichtsräte gegeben, dass die Abfindung doppelt so hoch war als sie eigentlich dachten. Etwaige Sonderregelungen hätten erwähnt werden müssen, etwa die Tatsache, dass sich Elsner den Betrag aus Steuergründen vorab bar habe ausbezahlen lassen. Schenz: "Also es war schon eine spezielle Situation, wo ich als Aufsichtsratsvorsitzender informiert hätte".

In der heutigen BAWAG könnte so etwas nicht mehr passieren, weil der neue BAWAG-Chef Ewald Nowotny sich an den Corporate Governance-Kodex halten will, sagte Schenz. (APA)

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