Militanter Geistlicher Bashir freigelassen

14. Juni 2006, 07:17
posten

67-Jähriger geistiger Anführer der Terrororganisation Jemaah Islamiah will weiter für Scharia kämpfen - Australien und die USA kritisieren vorzeitige Freilassung

Jakarta (APA/Reuters/dpa) - Der in Indonesien im Zusammenhang mit den Terroranschlägen auf Bali im Oktober 2002 verurteilte moslemische Geistliche Abu Bakar Bashir ist am Mittwoch freigelassen worden. Bashir gilt als geistiger Anführer der Gruppe Jemaah Islamiah (JI), die für die Anschläge verantwortlich gemacht wird. Sie ist nach Ansicht der Sicherheitsbehörden der südostasiatische Ableger der Extremistenorganisation Al-Kaida.

Neue Anschlagsserie befürchtet

Der 67-jährige Bashir wurde von hunderten Anhängern begrüßt, als er das Gefängnis verließ. Im Zuge eines jährlichen Straferlass-Programms zum Unabhängigkeitstag war Bashirs 30-monatige Haftstrafe im vergangenen Jahr um 135 Tage reduziert worden.

Es wurde erwarte, dass Bashir als Lehrer an eine islamistische Schule in der zentraljavanischen Stadt Solo zurückkehren würde. Westliche Länder befürchten, die Freilassung des mutmaßlichen Terroristenführers ohne Auflagen könnte zu einer neuen Serie von Anschlägen führen.

Bashir war eine Woche nach den Bali-Anschlägen vom 12. Oktober 2002 festgenommen worden. Im folgenden Jahr entschied ein Gericht, dem Prediger könne nicht nachgewiesen werden, dass er Anführer der Jemaah Islamiyah sei. Es verurteilte ihn jedoch wegen Verletzung der Einreisebestimmungen und Dokumentenfälschung zu 18 Monaten Haft.

Anschläge von Bali

Unmittelbar nach seiner Freilassung im April 2004 wurde er erneut festgenommen und wegen seiner Verwicklung in die Anschläge von Bali zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt. Bei dem Blutbad auf der Ferieninsel waren 202 Menschen getötet worden.

Bashir will weiter für Scharia kämpfen

Bei seiner Freilassung rief Abu Bakar Bashir seinen Anhängern zu: "Ich werde weiter für die islamische Scharia kämpfen." Es wolle die "islamische Brüderlichkeit" stärken, um "ein einziges Ziel" zu erreichen: die Einführung des islamischen Rechtssystems, der Scharia, in Indonesien. Nach Angaben eines Vertrauten begab sich Bashir in seine Heimatstadt Solo im Westen Javas, wo er an dem von ihm gegründeten religiösen Internat unterrichten wolle.

Australien und die USA kritisieren indonesische Vorgehensweise

Ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington kritisierte den Umgang der indonesischen Justiz mit Bashir. Das verhängte Strafmaß sei "zu mild" für einen Täter, dem Beihilfe zu einem Bombenanschlag nachgewiesen worden sei. Der australische Außenminister Alexander Downer zeigte sich "besorgt". Bashir glaube an die "Prinzipien des Jihad", und es sei nicht auszuschließen, dass seine Freilassung eine Gefahr darstelle. Die vorzeitige Freilassung bezeichnete Downer als "Enttäuschung". Unter den Opfern der Bali-Anschläge waren 88 Australier gewesen. (APA/AP)

Share if you care.