Nowotny schließt Filetierung aus

26. Juni 2006, 11:05
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Bawag-Chef will Verkaufsprozess pushen: "Verzögern kann man immer noch, beschleunigen nicht"

Wien - Bawag-Chef Ewald Nowotny hat am Dienstagabend den Ablauf des Verkaufsprozesses für die Gewerkschaftsbank angerissen. Zugleich hat er sich klar gegen eine "Tranchierung" der Bank ausgesprochen. Ein Verkauf in Teilen bringe niemandem etwas, auch nicht beim Preis.

In einem mehrstufigen Auswahlverfahren sollen aus heutiger Sicht nach einer breiten Interessentensuche voraussichtlich drei Käufer-Kandidaten der engeren Wahl übrig bleiben, mit denen endverhandelt wird und die schließlich auch gegeneinander antreten sollen. Präferenzen nannte Nowotny ebenso wenig wie einen erhofften Mindest-Verkaufserlös. Den Buchwert beziffert die Bank mit mindestens 1,7 Mrd. Euro.

"Nur als Ganzes"

Eines schließt der Bankchef aus: Eine Zerschlagung. Freilich wisse er, dass es eine Fülle von Interessenten gebe, die an einzelnen Kernstücken interessiert seien. Aber die Bank gebe es nur als Ganzes, stellte Nowotny heute Abend vor Journalisten klar. Die Lotto-Beteiligung zähle ebenso zum Kerngeschäft wie die Auslandstöchter. Mit einer Filetierung könne er jedenfalls "nicht leben", betonte Nowotny heute Abend.

Zum absehbaren Verkaufstermin hält sich Nowoty bedeckt. Zuvor hatten Regierungskreise sowie auch RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner am Dienstag ihre Einschätzung geäußert, dass es bis dahin nach der Wahl werden dürfte. Laut Regierungsplan und Garantiegesetz muss der Gewerkschaftsbund die Bawag bis Juli 2007 zur Gänze verkauft haben.

"Wir leiten gerade die Due Diligence-Phase ein, richten die Datenräume ein", berichte der Bawag-Boss zum Stand der Dinge im Haus selbst. Er wisse, dass der bevorstehende Sommer selbst für Investmentbanker keine besonders aktive Zeit sei. Und dass ein Wahltermin wie jetzt im Herbst immer auch ein schwieriges Terminumfeld sei. Dennoch riet er, "mit voller Kraft voraus" zu gehen. "Verzögern kann man immer. Beschleunigen ist schwer".

Innsbrucker Beschluss "mit Bedauern" zur Kenntnis genommen

Unverständnis äußerte Nowotny zur Entscheidung der Stadt Innsbruck, "als Vorsichtsmaßnahme" 124 Mio. Euro Fondsveranlagung von der Bawag abzuziehen. Laut Nowotny wurde das Depot gekündigt, die Fondsverwaltung bleibe bei der Bawag P.S.K. Invest. Der Bawag-Chef nahm diesen Entschluss der Innsbrucker mit "Bedauern" zur Kenntnis. Für ihn ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar. Er kämpfe um jeden Euro. Und er wollte nicht ausschließen, dass dieser Entscheidung nicht ausschließlich ökonomische Überlegungen zu Grunde lagen.

Keine neuen Bilanzleichen

Als "komplizierte, vielfach auch für mich verwirrende Story" bewertet der seit 1. Jänner 2006 amtierende BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny das Drama um Karibik- und Refco-Verluste. Pausenlos wird gefragt, ob es noch weitere Leichen im Keller gibt. Am Dienstag Abend, kurz vor Beginn einer Betriebsräte-Veranstaltung in den Räumen der alten P.S.K., räumte Nowotny ein, vorsichtig geworden zu sein, wenn es "um völlige Sicherheit" in der Einschätzung gehe.

So viel sei aber sicher: Was die finanzielle Seite betreffe, so sei man sicher, dass man bilanziell alles erfasst habe. Vorsichtig sei er, was die personelle Seite betreffe. Etwa was sich Ex-Chef Helmut Elsner alles bezahlen ließ, die Spesenrechnungen. Da nehme er im Zweifel das Schlechteste an, bekannte Nowotny. Auch nicht sicher sei er - wie jetzt im vorliegenden FMA-Rohbericht impliziert wird - wie weit es noch Vermögenswerte gebe, die noch zu holen wären. Da habe aber die Staatsanwaltschaft größere Möglichkeiten als er. "Wir gehen jetzt aber auch in diese Problematik noch stärker hinein", kündigte der BAWAG-Chef an.

Riesiges Netzwerk von Stiftungen

Vorsicht sei geboten, da es ein "riesiges" Netzwerk von Stiftungen gegeben habe. Das Ausmaß habe selbst die an US-Verhältnisse gewohnten amerikanischen Juristen seines Hauses gewundert, sagte Nowotny. Die "Kronen Zeitung" kommt in ihrer Mittwoch-Ausgabe auf rund 70 Briefkastenfirmen. Das Geflecht wird wie berichtet seit Wochen auf den Verbleib möglicher bisher verschollener Werte durchleuchtet, auch was die Geldflüsse zwischen diesen Firmen und der Bank betrifft.

Für die BAWAG-Bilanz des laufenden Jahres 2006 machte Nowotny naturgemäß keine besonders rosigen Prognosen: Für einen Käufer sei aber ohnedies ein kurzfristiger Gewinn nicht so interessant wie ein "Normaljahr" aus dem laufenden operativen Betrieb. Das Jahr 2006 werde "ertragsmäßig kein Normaljahr" sein. Nowotny verwies auf höhere Kosten, auch der IT, und die bekannt hohen Aufwendungen, was die USA betreffe.

Eigenkapitalspritze

Die 450-Millionen-Eigenkapitalspritze, die die Banken und Versicherungen leihweise bereit stellen, soll morgen, Mittwoch unterschrieben werden. In der öffentlichen Empörung mancher Konkurrenzbanken an den vom BAWAG-Vorstand angekündigten Kundenrückgewinnungs-Konditionen sieht Nowotny sogar Reklame für sein Haus. Er versicherte, nicht zu schleudern.

Wenn die 900-Millionen-Euro Bundeshaftung wieder "erlischt", sobald die Bank verkauft wird, dann sollte bei günstigem Umfeld gerade ein Betrag von etwas mehr als einer halben Milliarden Euro - dann wieder zu bildende - Rückstellung/Wertberichtigung übrig bleiben, der der Höhe des US-Vergleichs entspricht, wurde in der Bank ausgerechnet.

Ob das vom ÖGB und alter BAWAG-Führung zum "Herausputzen" der Braut vorigen September gewählte Konstrukt der AVB samt 1,5 Mrd. Euro Schuldenübertragung von der BAWAG an die 100-Prozent-ÖGB-Tochter AVB als solches sehr klug war, wagt Nowotny zu bezweifeln. Aber "wir haben das so vorgefunden", sagte er für den neuen Vorstand. (APA)

  • Die Millionen-Eigenkapitalspritze von Banken und Versicherungen soll heute unterschrieben werden.
    foto: standard/newald

    Die Millionen-Eigenkapitalspritze von Banken und Versicherungen soll heute unterschrieben werden.

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