Platter besucht den ersten Eurofighter

11. Oktober 2006, 12:31
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Verteidigungsminister: "Als Europäer habe ich Stolz, dass wir ein Unternehmen wie EADS haben"

Verteidigungsminister Günther Platter besichtigte den ersten Eurofighter für Österreich, der im Juni kommenden Jahres in den Dienst gestellt werden soll. Er trägt die Seriennummer AS0001. Bis Juli 2008 soll die gesamte Luftraumüberwachung umgestellt sein.

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Auch Verteidigungsminister und ihre Militärs kennen Momente der Rührung. Am Dienstag war es so weit: Da hat Günther Platter den ersten weitestgehend fertig montierten Eurofighter im bayerischen Manching zu sehen bekommen – und aus seinen Gefühlen keinen Hehl gemacht: "Als Europäer habe ich Stolz, dass wir ein Unternehmen wie EADS haben."

Froh und dankbar sei er, dass seinerzeit – 2002, ein gutes halbes Jahr vor seinem Amtsantritt – die Typenentscheidung für den Eurofighter gefallen ist. Und dann sprudeln aus ihm all die Argumente heraus, die die Regierung immer wieder verwendet, wenn es darum geht, den Eurofighter zu verteidigen: dass er weltweit das modernste Luftraumüberwachungsflugzeug sei, dass es ein rein europäisches Produkt ist und dass Österreich in der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH einen "unglaublich seriösen Geschäftspartner" habe.

Die Gastgeber in Manching bemühen sich, all diese Aussagen zu bestätigen, zeigen den ersten österreichischen Eurofighter mit derselben Begeisterung her wie sie die Rumpfteile der noch in früheren Produktionsstadien befindlichen Flieger vorführen: Gelbe Stücke aus Verbundwerkstoff, ausgerüstet mit Kabelbäumen, Computern und Sensoren. Der Eurofighter ist nach Aussage der Piloten vor allem ein fliegendes Rechnernetzwerk, komplexer als die anderen auf dem Markt befindlichen Kampfflugzeuge.

Als Laie kann man nicht erkennen, ob die hier gezeigten Flugzeuge dem "Block 5" der ersten Tranche oder dem bestellten Standard des "Block 8" der zweiten Tranche angehören. Als Fachmann könnte man das auch nicht, denn der Unterschied besteht in fünf Computerkomponenten. Er stellt aber aus Sicht der Opposition eine willkommene Gelegenheit dar, aus dem Beschaffungsvorgang auszusteigen, wenn die ersten gelieferten Flugzeuge nicht dem geforderten Standard entsprechen.

Zwischenlösung

Aber Verteidigungsminister Platter denkt gar nicht daran, irgendetwas abzubestellen. Ab kommendem Juni, in weniger als einem Jahr, soll der am Dienstag besichtigte Eurofighter mit der Seriennummer AS0001 in Österreich in Dienst gestellt werden; ab 1. Juli 2008 werden die Eurofighter die Luftraumüberwachung komplett von den als Zwischenlösung gemieteten Schweizer F-5 übernehmen.

So steht es im Plan, so werde es erfüllt, versicherte auch Ministerialrat Karl Hofer, der im Verteidigungsministerium für das Eurofighter-Projekt zuständig ist. Er versicherte, dass die mehr als 700 Leistungspunkte (unter denen nur 18 die eigentliche Lieferung der 18 Flugzeuge betreffen), die mit dem Lieferanten vereinbart waren, bereits zu 80 Prozent erfüllt seien. Wofür andererseits im Bundesheer 600.000 Arbeitsstunden geleistet wurden, unter anderem für die Integration der Software, die Erstellung eines Logistiksystems, die Entwicklung eines neuen Radar-, Funk- und Verschlüsselungssystems sowie die Vorbereitung des Flugsimulators, der ab Herbst installiert wird. Allein im Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg würden dadurch 200 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Ab September werden auch die ersten ehemaligen Draken-Piloten auf den neuen Flieger umgeschult, und selbst der Fliegerchef Generalmajor Erich Wolf, der den Eurofighter selbst schon geflogen ist, bedient sich des Ausdrucks "urgeil", wenn er über die Möglichkeiten redet, die das Flugzeug bietet: Es würden viele der in den Prospekten versprochenen Parameter sogar übererfüllt.

Die Opposition will von all dem nichts wissen – was Minister Platter bedauert: Alle Parteien seien eingeladen gewesen, sich in Manching zu informieren und kritische Fragen zu stellen. Aber nur Abgeordnete von ÖVP und BZÖ hätten davon Gebrauch gemacht.

Wobei durchaus Neues zu erfahren gewesen wäre, was der Opposition weitere Argumente gegen die ersten (noch aus dem "Block 5" der ersten Tranche stammenden) österreichischen Eurofighter geliefert hätte: Eurofighter-Chef Aloysius Rauen erklärte detailliert, dass die Nachrüstung mit den besagten fünf Computern erst bei der ersten größeren Wartung, irgendwann zwischen 2011 und 2014 stattfinden wird. Allerdings kostenfrei für das Bundesheer, wie es auch vereinbart war, behauptet Rauen. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2006)

Conrad Seidl aus Manching
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