ÖGB macht Hundstorfer die Mauer

16. Juni 2006, 16:21
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Muhm: "Vernichtung des Vermögens" steht bevor

Kritik an ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer? Die war am Dienstag nicht zu hören, im Gegenteil: Die Spitzenriege der Gewerkschaft stellte sich geschlossen und fast wortgleich hinter den Präsidenten. Selbstverständlich war vor dem ÖGB-Bundesvorstand das häufigste Wort.

Bei GPA-Chef Wolfgang Katzian hörte sich das so an: "Selbstverständlich vertraue ich Hundstorfer. Selbstverständlich soll er 2007 als Präsident kandidieren." Metallerchef Erich Foglar formulierte es so: "Selbstverständlich war das Verhalten Hundstorfers bei der Schulden-Übernahme von der Bawag korrekt." ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende Renate Csörgits konnte nur zustimmen: "Selbstverständlich hat Hundstorfer mein Vertrauen."

Debattiert wurde hingegen, wie der ÖGB die Übernahme der Bawag-Schulden von 1,5 Milliarden Euro verkraften könne. Zur Debatte steht ein Verkauf der ÖGB-Zentrale in der Hohenstaufengasse. Dass ein Verkaufsbeschluss noch diese Woche fallen soll, das dementierte Hundstorfer vehement. Neben der Zentrale besitzt der ÖGB noch neun Häuser der Teilgewerkschaften, alle in guter Lage.

Davon wird, wie von Urlaubsheimen und anderen Besitztümern, nichts übrig bleiben. Einige Teilgewerkschafts-Häuser werden durch Fusionen ohnehin frei - und Vermögen muss die Gewerkschaft abstoßen. Dem ÖGB stehe die "fast hundertprozentige Vernichtung seines Vermögens" bevor, die in den nächsten Jahren "abgearbeitet werden muss", sprach es Werner Muhm, der Direktor der Arbeiterkammer Wien, offen aus.

Zusatz: "Der ÖGB geht nicht in Konkurs. Punkt." Muhm, seit Mai 2005 Aufsichtsrat der Bawag, ist davon überzeugt, dass nicht sein wird was nicht sein darf. Denn die Arbeiterkammer, als Interessenvertretung mit Pflichtmitgliedschaft ein relatives Unikum in der EU, könne die Rolle der Gewerkschaft als "Kampforganisation" nicht einnehmen.

"In einer westlichen Demokratie braucht es die Gewerkschaft, die als Kampforganisation das Primat haben", sagt Muhm. Aber "die Gewerkschaft hat ein Glaubwürdigkeitsproblem", räumt Muhm ein - trotzdem: Auch in der Krise 2002 habe der ÖGB funktioniert, "das waren ja nicht alles Papiertiger", die die Massendemonstrationen am Heldenplatz veranstalteten.

Auch die SPÖ vertraut Hundstorfer offenbar: Der ÖGB-Präsident ist angeblich bereits fix als Spitzenkandidat der Wiener SPÖ für die Nationalratswahl nominiert. (eli, spu, stui/DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2006)

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