Porr will Kraftwerke errichten und betreiben

30. Juni 2006, 10:59
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Baukonzern verzeichnete Umsatz- und Ergebnisplus und begibt neue Anleihe

Wien – Um der Kostenschere im Baugeschäft zu entkommen, forciert die Porr Eigenprojekte, die sie selbst entwickelt, errichtet und betreibt. Als Beispiel nannte Porr-Vize-Chef Wolfgang Hesoun Kraftwerksbauten. Derzeit betreibt die Porr bereits drei Biomasse Kraftwerke in Niederösterreich, eine Müllverbrennungsanlage in Kärnten und in Bulgarien wird zur Zeit der Bau und die Errichtung eines Wasserkraftwerks akquiriert.

Finanzmodelle erarbeitet

Nachdem die Porr beim Verkauf der Wasserkraftteil der VA Tech Hydro das Nachsehen hatte und Andritz den Zuschlag erhielt, und Siemens den Rest der alten VA-Tech-Sparte aus strategischen Gründen behalten will, möchte die Porr bei künftigen Energie-Projekte Know-how mit Partnern wie Siemens oder General Electric ins Haus holen. Besonderes Potenzial für das Projektgeschäft in der Energieerzeugung sieht Hesoun in Osteuropa. Weil sich die dortigen Energieversorger die Investitionen aber oft nicht leisten könnten, erarbeitet die Porr zusammen mit Banken Finanzmodelle, die etwa auf Energielieferungen basieren.

Ins reine Energiehandelsgeschäft werde man aber definitiv nicht einsteigen. Hesoun: "Schleichender Größenwahn ist nicht unser Ziel." Die Projektfinanzierung (die eine beträchtliche Kapitalkraft erfordert) werfe keine Probleme auf. Ein Gas-Kombi-Kraftwerk mit rund 400 MW hat laut Hesoun ein Investitionsvolumen von rund 150 Mio. Euro. Für zwei solcher Projekte pro Jahr interessiert sich die Porr.

In den nächsten Jahren soll durch die zunehmende Präsenz in Mittel- und Osteuropa der Auslandsanteil am Umsatz von derzeit 31 auf 50 Prozent steigen. Porr-General Horst Pöchhacker: "Wir suchen nicht das Risiko zwischen Afrika und China". Um die Osteuropa-Expansion zu finanzieren wird am 26. und 27. Juni eine Anleihe im Volumen von mindestens 50 Mio. Euro begeben. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren beträgt der Zinssatz 5,6 Prozent. Mit einer Stückelung von 500 Euro richtete sich die Anleihe auch an Kleinanleger, sagte Finanzvorstand Helmut Mayer. Zur gleichen Zeit wird auch in Tschechien eine Anleihe über 200 Mio. Kronen (sieben Mio. Euro) emittiert.

Mehr Gewinn

Die Nummer zwei auf dem heimischen Baumarkt (10.200 Mitarbeiter) hat 2005 die Produktionsleistung um knapp 22 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro erhöht. Der Vorsteuergewinn legte um ein Drittel auf 32,4 Mio. Euro zu. Für heuer gab sich die Porr optimistisch - zumindest, was die Menge der Aufträge anlangt. "Gleichzeitig explodieren aber die Kosten, bei den Preisen in Österreich geht eine Schere auf", klagte Pöchhacker. Bei den Kosten liege der aktuelle Straßenbauindex beinahe acht Prozent über dem Vorjahr, der entsprechende Preisindex sei aber nur zwei Prozent gestiegen. Während der Tiefbau bereits seit knapp drei Jahren merklich anzog, sind nun auch im Hochbau die Wachstumsraten ähnlich hoch. Im ersten Quartal 2006 ist der Hochbau um acht Prozent und damit ähnlich schnell gewachsen wie der Tiefbau. (cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.6.2006)

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