Melissenblatt

26. Juni 2006, 15:45
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Die beruhigende Wirkung der Melisse ist allgemein bekannt, doch die grünen Blätter können noch mehr

Ätherisches Öl, Gerbstoffe und Phenol-Carbonsäuren sind die Inhaltsstoffe der Melisse. Medizinisch werden die Laubblätter (Melissae folium) der Pflanze verwendet.

Stammpflanze

Melissa officinalis L. (Lamiaceae)

Therapeutisch relevante Wirkungen

In Kombination mit anderen sedativ wirkenden Arzneidrogen (z. B. Baldrianwurzel, Hopfenzapfen) zeigen Melissenblätter gute Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Einschlaf- wie auch Durchschlafstörungen.

Antivirale Wirkung: Wässriges Melissenextrakt zeigte dosisabhängig antivirale Effekte gegenüber Newcastle-, Herpes-simplex-, Vaccinia- und Semliki-Forest-Virus. Gute Wirkung zeigte das Melissenextrakt, wenn es zwei bis drei Stunden vor der Virusinfektion injiziert wurde. Das Melissenextrakt hemmte dosisabhängig auch die Vermehrung der Viren.

Auch unter klinischen Bedingungen bewährte sich Melissenextrakt: Patienten, die unter mehreren Herpes-labialis-Episoden jährlich leiden, applizierten 4 x täglich über 5 Tage eine einprozentige Salbe eines Melissenextraktes (70:1). Bereits am zweiten Behandlungstag verbesserten sich die Symptome im Vergleich zur Placebogruppe signifikant, die Ausbreitung der Fieberblase konnte reduziert werden, die Schmerzen waren geringer und die Abheilung erfolgte rascher. Die Effektivität ist um so größer, je frühzeitiger mit der Behandlung begonnen wird. Für diese antiviralen Effekte ist die Polyphenolfraktion (Rosmarinsäure, Chlorogen- und Kaffeesäure) verantwortlich.

Unerwünschte Wirkungen

Keine bekannt. Das Sensibilisierungspotential eines Melissenextraktes wird als äußerst schwach eingestuft. Empfohlene Einzeldosis von 0,05-0,2 ml ätherischem Öl nicht überschreiten, da in Tierversuchen bei hoher Dosierung (Citral 0,005 mg/kg) Endothelschäden beobachtet wurden.

Indikationen

Wissenschaftlich belegt: Nervös bedingte Einschlafstörungen, funktionelle Magen-Darm-Beschwerden; bei Herpes simplex.

Erfahrungsmedizin: Als Bad-Anwendung zur Beruhigung und Entspannung. Melissengeist als Einreibung bei Nervenschmerzen, Muskelkater und Hexenschuß.

Empfohlene Dosierungen

Innerlich: mittlere Tagesdosis 1,5-4,5 g Droge mehrmals täglich. Äußerlich: Extrakte, in einer hydrophilen Salbengrundlage verarbeitet, lokal zur Behandlung von Herpes labialis. Ätherisches Melissenöl: Einzeldosis 0,05-0,2 ml. Berechnungsgrundlage: 9 g Droge. (red)

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Phytokodex

Von Univ.-Prof. Dr. Reinhard Länger, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kubelka

  • Lateinische Bezeichnung: Melissa officinalis L.
    foto: institut für pharmakognosie/uni wien

    Lateinische Bezeichnung: Melissa officinalis L.

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