Finsteres Herz

31. Juli 2006, 15:42
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Christoph Feurstein gestaltete einen Beitrag für "Thema" über SchülerInnen mit "Migratinshintergrund"

Fernsehen ist gleich Fußball. Der Rest ist Zwischenspiel, Stehviertelstunde, Unterbrechung. Zeit für den Umschaltimpuls, der sich sofort einstellt, wenn nicht Herr Netzer persönlich zur Spielanalyse schreitet – oder der als Rettungsanker fungieren muss, bevor man sich vor lauter Ärger über den ungünstigen Spielverlauf womöglich doch noch ins Sofa verbeißt. Manchmal fördert dieser Impuls Sehenswertes zutage.

Christoph Feurstein etwa tut seit geraumer Zeit wieder das, was er besser kann als halblustige Vorabendmagazine moderieren. Für "Thema" gestaltete er einen Beitrag über den Alltag von Wiener Schülerinnen und Schülern mit "Migrationshintergrund". Eine Lehrerin kam da zu Wort, die ihren Bezug zu Kindern aus anderen Kulturkreisen als Bereicherung beschrieb und sich über die mangelnde Verbreitung dieser Perspektive wunderte. Demgegenüber standen dann nämlich die Erfahrungsberichte ihrer Schülerinnen und Schüler aus der äußeren Wirklichkeit des öffentlichen Raumes der Bundeshauptstadt. Der inkludiert auch die Stimmen jener, denen allein die akustische Berührung mit dem vermeintlich Nicht(ein)heimischen schon das finstere Herz aufgehen und Beschimpfungen oder Stehsätze vom "Zurückgehen – pronto" entfahren lässt.

Dass auch das heimische Fernsehen diesbezüglich einen Erziehungsauftrag hätte, ist mit Beiträgen wie diesem nur ungenügend abgegolten. Aber schön, dass die Chauvinisten aller Länder derzeit zumindest stundenweise anderweitig beschäftigt sind. (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.6.2006)

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