Australische Soldaten verhafteten AP-Reporter

22. Juni 2006, 11:22
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Jose Belo nach mehrstündigem Verhör freigelassen

Sydney - Während der Berichterstattung über die Unruhen in Osttimor haben australische Soldaten einen Reporter der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) mehrere Stunden lang festgehalten. Jose Belo sei bei dem Zwischenfall am Freitag in Dili "unnötig grob und respektlos" behandelt worden, erklärte Associated Press am Dienstag in einer Beschwerde an die australische Regierung.

Belo wurde demnach an den Händen gefesselt und erst nach vier Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt, obwohl schnell hätte geklärt werden können, dass er als Journalist im Einsatz war. Die Truppen hätten ihm darüber hinaus nichts zu trinken gegeben, und ein Kollege habe drei Stunden lang nicht mit ihm sprechen dürfen.

Der Journalist wurde laut Associated Press inmitten einer Gruppe von Demonstranten aufgegriffen. Die Soldaten hätten ihn offenbar verdächtigt, den Protest angezettelt zu haben. Das australische Verteidigungsministerium erklärte, ein Reporter sei während einer Routinekontrolle gemeinsam mit einer zweiten Person festgenommen und kurz darauf wieder freigelassen worden.

Schwere Unruhen

In dem seit vier Jahren unabhängigen südostasiatischen Land ist es in den vergangenen Wochen zu schweren Unruhen gekommen. Ausgelöst wurden sie durch die Entlassung von 600 Soldaten, einem Drittel des gesamten Heeres. Ende Mai eskalierte die Gewalt, binnen weniger Tage kamen mindestens 30 Menschen ums Leben. Australien, Neuseeland, Malaysia und die ehemalige Kolonialmacht Portugal entsandten eine Eingreiftruppe zur Wiederherstellung der Ruhe.

Osttimor (Timor Leste) ist kleiner als Niederösterreich und war von 1520 bis 1975 portugiesisch. Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit durch die Befreiungsbewegung "Fretilin" marschierten indonesische Truppen ein. Die Besatzungsarmee machte sich schwerster Menschenrechtsverstöße schuldig. Erst nach dem Zusammenbruch der Suharto-Diktatur einigten sich Indonesien und Portugal unter UNO-Vermittlung auf ein Selbstbestimmungs-Referendum in Osttimor im August 1999, doch die Besatzungsarmee und von ihr gesteuerte Milizen überzogen daraufhin die Inselhälfte mit einer Welle der Gewalt. Etwa 250.000 Menschen mussten fliehen, viele wurden von der Besatzungsmacht nach Westtimor vertrieben oder verschleppt. Eine multinationale Eingreiftruppe unter Führung Australiens setzte dem Morden ein Ende. Im Mai 2002 wurde Osttimor nach einer UNO-Übergangsverwaltung eine unabhängige Republik unter der Präsidentschaft des Freiheitshelden José Alexandre ("Xanana") Gusmao. (APA/AP)

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