Temelin: "Ernsthafte Probleme vertuscht"

18. Juni 2006, 19:32
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Oberösterreichische Landesregierung übt Kritik an Informationspolitik im Kraftwerk

Linz - Eine ernsthafte Bedrohung der nuklearen Sicherheit im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin sollte laut dem Anti-Atom-Beauftragten des Landes Oberösterreich, Radko Pavlovec, als Routineabschaltung getarnt werden. Der Grüne Umweltlandesrat Rudi Anschober zeigte sich in einer Presseaussendung "empört": Die Nuklearaufsichtsbehörde SUJB sei offenbar seit Monaten informiert gewesen und habe die Angelegenheit vertuscht.

Not-Abschaltesystem defekt

Die Situation sei so ernst, dass der weitere Betrieb des Kraftwerks nicht mehr zu verantworten sei, so Pavlovec. Nach dem Ausfall einer Hauptzirkulationspumpe am 2. Juni habe die Leistung des Reaktors verringert werden müssen. Dabei seien massive Fehlfunktionen des Not-Abschaltesystems registriert worden. Bei 51 von 61 Steuerungsstäben habe man Probleme festgestellt, einige hätten sogar die für Notabschaltungen erforderliche maximale Fallzeit weit überschritten. Die nukleare Sicherheit könne nicht mehr gewährleistet werden, sagte Pavlovec.

Der Anti-Atom-Beauftragte warf den Kraftwerksbetreibern und der SUJB vor, nach der jüngsten Panne von einer "Betriebsangelegenheit unter der Grenze der INES-Skala" gesprochen zu haben. Dann sei erklärt worden, man habe nur eine Routineabschaltung für den Brennstoffwechsel um einige Tage vorverlegt. Beide Informationen seien falsch, konterte Pavlovec. Der vorzeitige Brennstoffwechsel sei durch eine starke Deformationen der Brennstoffelemente erzwungen worden, die zu einer massiven Fehlfunktion der Steuerstäbe und zur verstärkten Freisetzung radioaktiver Substanzen geführt habe. (APA)

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