Luftschadstoffe machen Allergene noch aggressiver

19. Juni 2006, 11:00
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Salzburger Forscher: Allergische Reaktionen fallen wesentlich massiver aus - Verdacht auf neue Kreuzreaktionen

Salzburg - Luftschadstoffe machen Allergene - also jene Substanzen, auf die das Immunsystem mit einer allergischen Reaktion antwortet - aggressiver. Zu diesem Ergebnis kommen Salzburger Molekularbiologen in einer neuen Forschungsarbeit. "Nitrierte Allergene lösen im Immunsystem eine wesentlich massivere Reaktion aus als unnitrierte Vergleichsproteine", erläuterte der Molekularbiologe Albert Duschl, Vizerektor für Forschung.

Stickstoffdioxid und Ozon - wie sie beispielsweise durch den Autoverkehr in die Luft geraten und in der Stadt allgegenwärtig sind - gehen mit den Allergie auslösenden Proteinen eine Verbindung ein, was zu einer Veränderung der Oberfläche führt. Diese veränderten Proteine haben ein höheres allergisches Potenzial als ihre nicht nitrierten Formen.

Schon im In-Vitro-Versuch mit nitriertem Ovalbumin - ein weit verbreitetes Testallergen - habe sich gezeigt, dass die Zahl der gebildeten IgE-Antikörper im Vergleich zu "normalem" Ovalbumin stark erhöht war, erläuterte Duschl, der diesem Phänomen auf Anregung des deutschen Aerosolforschers Ulrich Pöschl nachgegangen ist. Pöschl hatte herausgefunden, dass sich Allergene verändern können, wenn sie Luftschadstoffen ausgesetzt sind.

Massive Reaktion

Nach dem In-Vitro-Versuch wurde die Reaktion transgener Mäuse auf das nitrierte Birkenpollenallergen Bet v 1 sowie Ovalbumin getestet. Auch dabei zeigte sich, dass die allergische Reaktion wesentlich massiver ausfiel. "Außerdem bekamen manche Mäuse Kreuzreaktionen zwischen Bet v 1 und Ovalbumin - zwei nicht verwandte Proteine", sagte Duschl. Dies lege den Verdacht nahe, dass nitrierte Allergene auch bisher unbekannte Kreuzreaktionen fördern können.

Danach untersuchten die Salzburger Molekularbiologen die Reaktion bei Seren von Patienten, die nachweislich gegen Birkenpollen allergisch sind. "Fast alle getesteten Patientenseren reagierten auf nitriertes Bet v 1 wesentlich stärker", erläuterte Duschl das Ergebnis. "Bisher lag das Hauptaugenmerk auf Schadstoffen, die in das menschliche Immunsystem gelangen und dort zu Veränderungen führen.

Veränderte Proteine

Neu ist, dass schon außerhalb des Körpers Reaktionen zwischen Schadstoffen und Allergie auslösenden Proteinen stattfinden können", sagte Duschl: Ein durch Luftschadstoffe verändertes Protein treffe auf das menschliche Immunsystem und löse dort eine heftigere Reaktion aus. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "International Archives of Allergy and Immunology" publiziert und haben in Expertenkreisen bereits für großes Aufsehen gesorgt, berichtete Duschl.

Für die Salzburger Molekularbiologen stellen sich nun viele neue Fragen: Sie wollen weitere Allergene untersuchen und herausfinden, was genau dazu führt, dass nitrierte Formen stärker aktivierend wirken. Außerdem könne man derzeit nicht sagen, auf welcher Ebene in die allergische Reaktion eingegriffen werde. Antworten auf diese komplexen Fragen wollen die Salzburger in weiteren Forschungsprojekten herausfinden. (APA)

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