Vivendi lässt im Streit um polnischen Mobilfunker PTC nicht locker

20. Juni 2006, 10:12
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Schiedsgericht spricht Telekom 97 Prozent Anteile an PTC zu - Kaufpreis noch offen

Der französische Mischkonzern Vivendi lässt im Tauziehen mit der Deutschen Telekom um den polnischen Mobilfunkbetreiber PTC nicht locker. Auch eine neue Schiedsgerichtsentscheidung zugunsten der Telekom ließ Vivendi nicht wanken. Die Entscheidung betreffe den Anteil des französischen Konzerns an PTC nicht, erklärte Vivendi am Dienstag in Paris.

49 Prozent der Aktien

Die Telekom besitzt schon seit Jahren 49 Prozent der Aktien des profitablen polnischen Mobilfunkers. Sie hat außerdem im Februar 2005 eine Option zur Übernahme weiterer 48 Prozent ausgeübt. Übernommen wurden die Aktien von dem polnischen Energieversorger Elektrim. Vivendi bestreitet freilich, dass Elektrim überhaupt im Besitz dieser Aktien war. Sie gehörten vielmehr der Elektrim Telekomunikacja (Telco), an der Vivendi 51 Prozent hält, argumentieren die Franzosen, die in dem Streit nicht nachgeben wollen, weil sie bereits 2 Mrd. Euro in PTC investiert haben.

Mehrere Schiedsgerichtsentscheidungen und Gerichtsurteile sind in dem Streit bisher zu Gunsten der Telekom ausgefallen. So entschied bereits Ende 2004 ein Schiedsgericht in Wien, dass die Elektrim ihren 48-Prozent-Anteil an PTC gar nicht auf das von Vivendi geführte Gemeinschaftsunternehmen Telco hätte übertragen dürfen.

Ebenfalls bewertete das Schiedsgericht nun die Ausübung der Option Anfang 2005 als rechtens. Nach einem Bericht des "Handelsblatts" erklärte Elektrim-Chef Piotr Nurowski daraufhin, die Deutsche Telekom sei seit 15. Februar 2005 "Eigentümer von 97 Prozent der PTC-Anteile". Vivendi entgegnete, diese Behauptung sei "unbegründet und stellt eine Verletzung der Eigentumsrechte von Telco dar". Elektrim sei lediglich im Besitz einer einzigen PTC-Aktie; die 48 Prozent gehörten Telco und nicht Elektrim, weshalb sie von allen Urteilen und Schiedsgerichtsentscheidungen nicht erfasst seien. Die Franzosen haben gegen das Urteil von 2004 vor einem ordentlichen österreichischen Gericht geklagt, die Verhandlung findet am 11. Juli statt. Sollte das Gericht für Vivendi entscheiden, wäre die Kaufoption Makulatur, die PTC-Anteile würden bei Telco bleiben.

Preis nicht entschieden

Noch nicht entscheiden ist nach dem "Handelsblatt"-Bericht über den Preis, den die Deutsche Telekom für das Aktienpaket zahlen muss. Während nach Auffassung des deutschen Konzerns das Schiedsgericht in Wien den Kaufpreis festlegen müsse, kündigte der Elektrim-Aufsichtsratsvorsitzende Zygmunt Solorz-Zak Verhandlungen mit der Telekom an. Er bezifferte dem Zeitungsbericht zufolge den Marktwert des 48-Prozent-Pakets auf 2,2 bis 2,6 Mrd. Euro. Ende 2004 hatte die Deutsche Telekom 1,3 Mrd. Euro für die PTC-Anteile geboten. Laut PTC-Gesellschaftervertrag wäre die DT nur zur Bezahlung des Buchwerts von rund 350 Mio. Euro verpflichtet - ein so niedriger Preis würde die Elektrim jedoch in die Pleite treiben, denn das Unternehmen muss Obligationen in Höhe von 500 Mio. Euro bedienen. Ein DT-Sprecher hat jedoch angekündigt, man werde für die PTC-Anteile den "echten Preise" bezahlen.(APA/AP)

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