Oberstübchen

Redaktion, 20. Juni 2006, 13:31

Ein kopflastiges Worterlebnis des Chronisten

Mit manchen Wörtern geht es Ihrem Chronisten wie mit manchen Menschen: Erst sieht er sie jahrelang nicht, und dann laufen sie ihm innerhalb von vierzehn Tagen gleich dreimal über den Weg. So geschehen mit dem Wort "Oberstübchen", welches mein Unbewusstes wahrscheinlich für ausgestorben hielt, ehe es mir vor ein paar Wochen 1.) in einer "Spiegel"-Geschichte über die angeblich sträflich unterschätzte Regenerationsfähigkeit des menschlichen Gehirns erstmals seit langem wieder unterkam; sodann 2.) in Simon Borowiaks gruseliger Alkohol-Fibel "Alk" (siehe auch unter dem Stichwort "Bei Hurrikans") und schließlich 3.) in einer jener Botox-Werbebroschüren, die als Beilage von "News" verkleidet einhergehen. Ein Triple-Oberstübchen-Erlebnis!

Wie sehr ihr Chronist daneben lag, als er das Oberstübchen in Vergessenheit wähnte, hat ihm eine kurze Google-Recherche deutlich gemacht. Die brachte nämlich sagenhafte 47.000 Oberstübchen ans Tageslicht, und das, obwohl das Wort ja etwas entschieden Altbackenes und Überholtes an sich hat. Der früheste Beleg, den die Grimms in ihrem deutschen Wörterbuch anführen ("als der Wein endlich ins Oberstübchen gestiegen und die Geister ermuntert hatte"), stammt immerhin von 1744, das Stübchen hat also etliche Jahre am Buckel.

Wer gerne zu einem moderneren Kopf-Synonym greift, der kann es ja mit Ballon, Birne, Dach, Rübe, Plutzer, Kürbis, Globus, Grind, Wecker oder Wirsing versuchen - allerdings auf stilistisch deutlich tieferem Gelände.

Möglicherweise mag ja der eine oder andere Leser zur Komplettierung dieses Stichwortes seine ganz persönliche Stübchen-Assoziation beisteuern (das Hinterstübchen nicht vergessen!) oder mitteilen, was ihm sonst an Kopf-Alternativen durch denselben geht.

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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.

Als Stübchen-Assoziation fällt mir sogleich das alte Kinderlied ein: "In einem kleinen Apfel, da sieht es niedlich aus, es sind darin zwei Stübchen ganz wie in einem Haus." Hat zwar nichts mit Oberstübchen zu tun, aber klingt genauso oidfaderisch.

Als Schimpfwort für Landwirte:
"Mostschädel"!

In Tirol zumindest weiters:

Marilln, die
Nuss, die (vgl auch Nüsse, die; nicht gänzlich geklärte Ähnlichkeit in Bezug auf die übertragenen Bedeutungen, wahrscheinlich jedoch auf der Tatsache beruhend, dass Männer eben mit beidem, oder besser mal mit der einen mal mit den anderen denken)

Batterie

"Hearst Oida, wüllst ane voll auf die Batterie, oder wos?"

'Gulliver' ist unschlagbar. sollte man verwenden.

Gulliver?

Gulliver sollte man verwenden für ...?
Für Oberstübchen?
Gefällt mir eh (klingt in dem Zusammenhang so schön subtil), aber leider versteh ichs wieder einmal nicht.
Gibts eine Geschichte/Erklärung dazu?

jaja, das Oberstübchen...

dort, wo das Vögelchen wohnt...

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