JoWooD will an der Börse spielen

8. Juni 2000, 12:36

Computer-Game "VerkehrsGigant" soll mehr als 750.000-mal verkauft werden

Global hat der Computerspiele-Markt ausgezeichnete Perspektiven. Bei einem Marktvolumen von weltweit 5,2 Milliarden Dollar (4,5 Mrd. EURO) werden zumindest bis zum Jahr 2005 jährliche Wachstumsraten von 30 Prozent prognostiziert. Der oberösterreichische Spielehersteller JoWood will sich von diesem Kuchen ein gehöriges Stück abschneiden und plant mit einer Reihe von Maßnahmen neben dem deutschsprachigen auch andere Märkte zu erobern.

Der Verkaufsschlager, mit dem das junge, 1995 gegründete Unternehmen bekannt wurde, ist das PC-Spiel "IndustrieGigant", das 750.000-mal über den Ladentisch ging. Mit der Neuerscheinung, dem Wirtschaftssimulationsspiel "VerkehrsGigant" Ende Februar möchte JoWood auf diesen Erfolg aufsetzen.

Außerdem wurde kürzlich mit Sony ein Entwicklungslizenzvertrag abgeschlossen, sodass der VerkehrsGigant bereits ab Herbst auch auf Gameboys zur Verfügung stehen könnte. Andreas Tobler, Vorstandsvorsitzender von JoWood: "Jedenfalls rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft." Außerdem sind heuer noch eine ganze Reihe von Spieleveröffentlichungen geplant.

Das Unternehmen, das heuer mit rund 40 Mitarbeitern 200 Millionen Schilling umsetzten wird, will in Zukunft auch Internet-spiele entwickeln. Einzige Auflage bei der Diversifizierung: "Wir wollen keine Brutalo-Spiele entwickeln", so Tobler. Diese halten übrigens "nur" 15 Prozent am weltweiten Spielekuchen, mit einer stagnierenden Tendenz.

Zu den Börsenplänen des Unternehmens hält sich Tobler bedeckt. Allerdings seien die Vorbereitungen schon weit gediehen. Jedenfalls wolle man mit den Börsenerlösen dem internationalen Trend von Fusionen und Übernahmen entgegensteuern. Tobler: "In der Branche ist Kreativität äußerst wichtig. Und diese hält sich bei kleinen, wendigen Unternehmen erfahrungsgemäß besser als in großen. Deshalb ist es uns wichtig, Unabhängigkeit zu bewahren."

Tobler ist gleichzeitig auch geschäftsführender Gesellschafter des größten heimischen Softwarespiele-Importeurs Dynamic, der rund 400 Mio. S (29 Mio. EURO) umsetzt. An eine Verschmelzung der beiden Firmen ist nicht gedacht. Tobler: "Das macht keinen Sinn."

Bei dem neuen Produkt "VerkehrsGigant" handelt es sich um ein realistisches Wirtschaftssimulationsspiel, das mit Kosten von rund einer Million Euro (13,7 Millionen Schilling) entwickelt wurde. Ziel ist, den Individualverkehr zu verbessern. Neben deutsch, kommt das Spiel auch in Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch auf den Markt. Johanna Ruzicka

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