Österreichische Computerspiele im internationalen Rampenlicht

8. Juni 2000, 12:35

JoWood Productions gelang in London der weltweite Durchbruch

Man muss es Wolfgang Wachmann nachsehen, wenn er sich am ersten Tag der größten europäischen Fachmesse für interaktive Unterhaltungselektronik, der ECTS im Londoner Olympia, etwas seltsam fühlte.

"Wir kamen uns vor wie ein kleiner Fisch in einem sehr grossen Teich", meinte der Marketing-Direktor der in Rottenmann ansässigen JoWooD Productions. Und zeigte von seinem Stand auf der Galerie in die Haupthalle hinunter, wo die wirklich großen Karpfen, die auf Namen wie Nintendo, Sony oder Sega hören, auf Kundenbeute lauerten.

Schon bald aber entdeckte Wolfgang Wachmann, dass sich sein Unternehmen auch in dieser illustren Gesellschaft keinesfalls zu verstecken braucht. "Es war phantastisch - die rannten uns die Bude ein", zog er am letzten Tag der dreitägigen Fachmesse Bilanz. "Wir haben hier einige wichtige Distributionsverträge abgeschlossen. Eigentlich kann man sagen, dass wir nach dieser Messe mit unseren Spielen weltweit vertreten sind."

Mit drei Neuheiten kam JoWooD Productions nach London: "Alien Nations", "Traffic Giant" und "Frontierland". Bei "Alien Nations" handelt es sich um die internationale Version des Spiels "Die Völker", das im deutschsprachigen Raum bereits seit Mai auf dem Markt ist. 150.000 Exemplare der deutschen Version wurden seither verkauft, womit "Die Völker" in diesem Jahr zum meistverkauften Computerspiel im deutschsprachigen Raum wurde. Der Spieler hat die knifflige Aufgabe, das Zusammenleben von drei grundverschiedenen Völkern auf ein- und demselben Planeten zu regeln.

Bei "Traffic Giant", das unter dem deutschen Namen "Verkehrsgigant" noch in diesem Herbst auf den Markt kommen wird, geht es darum, Konzepte für den öffentlichen Verkehr aufzubauen. "Frontierland", das in Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Boris Games entstand, dürfte in erster Linie Eisenbahnenthusiasten mit Pioniergeist ansprechen: Es gilt, aus dem Nichts ein Bahnnetz aufzubauen.

Mit diesen Neuentwicklungen scheint JoWooD voll im Trend zu liegen: "Natürlich wird es auch in Zukunft Renn-und andere Action-Spiele geben. Aber zu unserer Freude stellten wir auf der ECTS in London fest, dass es einen Trend hin zu gewaltfreien und intelligenteren Spielen gibt."

Und in diesem Metier ist JoWooD zu Hause. Seine Spiele sind eine Mischung aus Simulation und Denksport. Ständig wird der Spieler mit Situationen konfrontiert, die nicht mit rascher Reaktionszeit oder mit dem Abfeuern irgendwelcher Raketen zu lösen sind. Gefordert sind hier weniger der Reflex, als die grauen Zellen.

Die JoWood-Spiele waren von Anfang an für den internationalen Markt konzipiert: "Die Entwicklungskosten für ein neues Computerspiel können in die zweistelligen Millionenbeträge gehen", erläutert Wachmann. "Dieses Geld will wieder zurück verdient werden. Der österreichische Markt ist dafür einfach zu klein, wir müssen daher über unseren Tellerrand hinaus-blicken." Peter Isenegger

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