Neue Magnetresonanz-Technologie misst strahlungslos

20. Juni 2006, 15:28
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Natürliches magnetisches Rauschen und ein mathematisches Verfahren ergeben Bild - Vorgang benötigt mehr Zeit

Linz/Wien - Auch wenn die herkömmliche Magnetresonanz-Tomografie (MRT) im medizinischen Alltag ohne Radioaktivität auskommt, wird der menschliche Körper doch mit einer hohen Dosis so genannter Radiofrequenz-Strahlung belastet. Mit einer völlig neuen Technologie lassen jetzt Wissenschafter des Instituts für Organische Chemie der Uni Linz um Norbert Müller aufhorchen. Sie haben ein MR-Verfahren entwickelt, das ohne Strahlung funktioniert.

Radiofrequenz-Strahlung erwärmt das Gewebe

Inwieweit MRT der Gesundheit schadet, ist umstritten. Sicher ist, dass es bei sehr hohen Dosen an Radiofrequenz-Strahlung zu einer Erwärmung des Gewebes kommt. "Es gibt daher auch Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen und diese sind für Weiterentwicklung und Forschung hinderlich", erklärte Müller gegenüber der APA.

Bei der herkömmlichen MRT wird die Radiofrequenz-Strahlung gebraucht, um Wasserstoff-Kerne, etwa in einem Gewebe, gleichsam zum Schwingen zu bringen. Gleichzeitig wird ein starkes Magnetfeld aufgebaut. Wenn die Kerne anschließend wieder in ihren Ausgangszustand zurückfallen, senden sie selbst Strahlung in Form von Radiowellen aus. Diese Strahlung wird über Sensoren abgerastert und aufgefangen und daraus beispielsweise das Bild aus dem Inneren des Körpers kreiert.

Rauschen und Mathematik

Die Linzer Forscher haben nun herausgefunden, dass die Wasserstoff-Kerne aber auch ohne Radiofrequenz-Strahlung von außen Signale abgeben. Nur ist das Ganze eher ein Rauschen, vergleichbar mit dem Bild auf einem Fernsehapparat ohne Antenne. Nach Auffangen der Signale kann dann über ein mathematisches Verfahren dennoch die Dichte der Wasserstoff-Kerne ermittelt und daraus ein Bild - ähnlich dem eines MRT - gezeichnet werden.

Verschiedene Gewebearten haben unterschiedliche Gehalte an Wasser und somit auch unterschiedliche Mengen an Wasserstoff-Kernen. Die Wissenschafter hoffen daher, mit ihrem Verfahren Einblicke in Gewebe und Organe zu erhalten. Ob es sich jemals auch für medizinische Zwecke eignen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Noch laufen grundlegende Experimente. Was in einem kommerziellen MRT derzeit rund eine Minute Zeit in Anspruch nimmt, dauert im strahlungsfreien MR-Verfahren derzeit rund eine halbe Stunde.

Auch für Ötzi geeignet

Müller glaubt eher, dass das Verfahren vorerst etwa in der Mikroskopie eingesetzt wird. Da bei der Untersuchung absolut keine Wärme frei wird, könnte es sich aber auch eignen, um etwa das Innenleben der Gletschermumie Ötzi aufzuklären. Aus Gründen der Konservierung ist für Ötzi jede Art von Erwärmung schädlich. (APA)

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