AK-Direktor: Streikfähigkeit des ÖGB nicht gefährdet

22. Juni 2006, 19:56
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"Gewerkschaft geht nicht in Konkurs, muss aber fast 100prozentige Vernichtung ihres Vermögens hinnehmen"

Wien - Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm sieht durch den Schuldenberg des ÖGB infolge der BAWAG-Affäre "die Streikfähigkeit des ÖGB nicht gefährdet". Dies hänge nicht wirklich vom Geld einer Organisation ab, verwies Muhm im Klub der Wirtschaftspublizisten am Dienstag auf andere Gewerkschaften in Europa. Entscheidend seien die Argumente und ob es gelinge, die Mitglieder hinter die eigenen Ziele zu bringen. Zur BAWAG-Affäre selbst hielt sich Muhm, der seit Mai des Vorjahres dem Aufsichtsrat der Gewerkschaftsbank angehört, bedeckt.

"Nein, der ÖGB geht nicht in Konkurs", zeigte sich Muhm, Direktor der AK Wien und der Bundesarbeitskammer, überzeugt: "Wenn der ÖGB die Bank gut verkauft, kann er pari aussteigen." Allerdings müsse der ÖGB als BAWAG-Eigentümer die "fast 100-prozentige Vernichtung seines Vermögens hinnehmen". "In den nächsten Jahren muss diese Katastrophe abgearbeitet werden."

Glaubwürdigkeitsproblem

"Ja, es gibt ein Glaubwürdigkeitsproblem für die Gewerkschaftsbewegung" durch die BAWAG-Affäre, räumte Muhm ein. Jedoch sei die aktuelle Krise "auch eine Chance für den ÖGB". Der Gewerkschaftsbund werde sich neuen Zielgruppen widmen müssen.

Auch Potenzial für einen Zustrom neuer Mitglieder sieht Muhm. Dieses liege laut Untersuchungen bei 160.000 bis 170.000 Menschen. Damit könnte der ÖGB seinen Mitgliederstand von 1,3 Millionen auf 1,4 bis 1,5 Millionen steigern. Es gebe in Österreich 74.000 Betriebe mit über fünf Beschäftigten, aber nur 9.000 Betriebsrats-Körperschaften.

AK wird nicht "Kampforganisation"

Dass die Arbeiterkammer vom ÖGB dessen Funktion als "Kampforganisation" und auch die Berechtigung zum Abschluss von Kollektivverträgen übernimmt, schließt der AK-Direktor aus. Beide Arbeitnehmerorganisationen zusammen kämen auf jährlich 490 Mio. Euro Einnahmen, davon 190 Mio. Euro durch die ÖGB-Mitglieder. Die Wirtschaftskammer-Organisation habe demgegenüber etwa 550 Mio. Euro im Jahr zur Verfügung. (APA)

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    Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm: "In den nächsten Jahren muss diese Katastrophe abgearbeitet werden."

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