Porr steigerte Gewinn 2005

26. Juni 2006, 09:54
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Umsatz stieg um mehr als 20, Vorsteuergewinn um 33 Prozent - Bau-Unternehmen rechnet für heuer auch mit besserer Hochbaukonjunktur

Wien - Die Nummer zwei auf dem heimischen Baumarkt, der Porr-Konzern, hat 2005 seine Umsatzerlöse um 20 Prozent auf 1,83 (1,53) Milliarden Euro gesteigert, der Vorsteuergewinn legte um ein Drittel auf 32,4 (24,3) Millionen Euro zu, gab das Unternehmen am Dienstag bei seiner Bilanzpressekonferenz in Wien bekannt. Für das laufende Jahr gab sich die Porr optimistisch - zumindest, was die Menge der Aufträge anlangt.

Kostenexplosion

"Gleichzeitig explodieren aber die Kosten, bei den Preisen in Österreich geht eine Schere auf", sagte Porr-Vorstandschef Horst Pöchhacker. Bei den Kosten liege der aktuelle Straßenbauindex beinahe acht Prozent über dem Vorjahr, der entsprechende Preisindex sei aber nur zwei Prozent gestiegen.

Während der Tiefbau bereits 2005 merklich anzog, ruhen die Inlandshoffnungen auf dem Hochbau. Im ersten Quartal 2006 ist der Hochbau um acht Prozent und damit ähnlich schnell gewachsen wie der Tiefbau. Der Wohnbau werde zwar erneut nicht besonders stark anziehen, die restlichen Hochbau-Sparten "erfangen sich aber wieder", so Pöchhacker.

Die Porr hat im abgelaufenen Jahr (inklusive von Umsätzen in Arbeitsgemeinschaften) eine Gesamtproduktionsleistung von 2,26 Milliarden Euro erzielt, etwa ein Viertel des Zuwachses geht auf die erstmalige Vollkonsolidierung der Wibeba zurück. Damit machte die Porr 2005 wieder etwas mehr Umsatz als die Salzburger Alpine Mayreder. Das Betriebsergebnis erreichte 49,3 (43,9) Millionen Euro. Dies entspricht einer operativen Marge von 2,7 Prozent, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Kapitalrentabilität (ROCE) und die Eigenkapitalverzinsung stiegen moderat. Das Konzernergebnis erreichte 25,2 (20,5) Millionen Euro.

Dividende bleibt gleich

Die Dividende soll wie im Vorjahr 1,7 Euro pro Aktie betragen.

Die Porr hat in den beiden vergangenen Jahren den Schuldenstand deutlich verringert. Die Nettoverschuldung betrug zum Bilanzstichtag nur mehr 393 Millionen Euro, vor zwei Jahren (2003) hatte der Konzern noch einen Schuldenberg von 626 Millionen Euro mit sich herumgeschleppt. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich leicht auf 16,4 Prozent. Ziel sei es, "aus eigener Kraft eine Eigenkapitalquote von deutlich jenseits der 20 Prozent" zu erreichen, sagte Finanzvorstand Peter Weber. Weber gab sich optimistisch, im heurigen Jahr den positiven Trend bei den Finanzkennzahlen fortsetzen zu können.

Beim Thema Kapitalerhöhung - ein seit Jahren gehegter Wunsch des Managements - verwies Pöchhacker auf die Eigentümer der Porr (die beiden größten von ihnen sind die BA-CA-nahe B & C-Holding und der Tiroler Haustechnikunternehmer Klaus Ortner). Die Porr, die auch verstärkt ins Projektgeschäft mit Energieerzeugungsanlagen gehen will, legt derzeit eine 50-Millionen-Euro-Anleihe mit einer Verzinsung von 5,625 Prozent auf. Der genaue Emissionskurs soll kommende Woche mitgeteilt werden.

Anlagengeschäft im Energiebereich lockt

Porr, der vor einigen Monaten vergeblich um die VA Tech Hydro mitgeboten hat, will den Einstieg in das Anlagenbaugeschäft im Energiebereich weiter forcieren, sagte Wolfgang Hesoun, designierter Generaldirektor. Nachdem der Wasserkraftteil der VA Tech Hydro an Andritz gegangen ist und Siemens den Rest der alten VA Tech Sparte (Combined Cycle) aus strategischen Gründen behalten will, möchte man die künftigen Energie-Projekte zusammen mit Partnern wie Siemens oder General Electric (GE) machen.

Besonderes Potenzial für das Projektgeschäft in der Energieerzeugung sieht die Porr in Osteuropa. Weil sich die dortigen Energieversorger die Investitionen aber oft nicht leisten könnten, erarbeitet die Porr zusammen mit Banken innovative Finanzmodelle, die etwa auf Energielieferungen basieren. Ins reine Energiehandelsgeschäft werde man aber definitiv nicht einsteigen, sagte Hesoun. Die Projektfinanzierung (die eine beträchtliche Kapitalkraft erfordert) werfe keine Probleme auf, hieß es.

Ein Gas-Kombi-Kraftwerk mit rund 400 MW hat laut Hesoun ein Investitionsvolumen von rund 150 Millionen Euro. Zwei solcher Projekte kann man sich im Porr-Auftragsportfolio durchaus vorstellen, hieß es. Bisher ist der Konzern erst in Ansätzen im Anlagengeschäft - etwa in einer Kärntner Müllverbrennungsanlage oder in drei niederösterreichischen Biomassekraftwerken. Im Prüfungsstadium befinden sich auch bulgarische Wasserkraftprojekte.

Gespanntes Warten auf Projektvergabe

"Absolut nichts" weiß man in der Porr angeblich über den Stand des Vergabeprojektes für die neue Nordautobahn. Mit welchem Konsortium die Asfinag den Auftrag endverhandelt, soll nächste Woche bekannt werden. Die Porr bietet zusammen in einer Gruppe mit dem Erzrivalen Strabag sowie mit Swietelsky und Habau.

Die schärfsten Konkurrenten sind zwei Konsortien mit maßgeblichem deutschen Teilnehmern. Alpine Mayreder bietet zusammen mit Hochtief, "Bilfinger + Berger" hat sich mit der französischen Autobahngesellschaft APRR zusammengetan. Laut "Presse" (Dienstag-Ausgabe) sollen Alpine und Hochtief um 100 Millionen Euro billiger geboten haben als das Konsortium um Strabag und Porr.

Wettbewerb

In die Alpine selbst könnte jüngeren Medienberichten zufolge ja der spanische Baukonzern FCC einsteigen. Sollte dies der Fall sein, müssten die Spanier auf dem österreichischen Markt jedenfalls mit einem schärferen Wettbewerb und niedrigeren Margen wie in Spanien rechnen, wo großzügig EU-Mittel in den Infrastrukturausbau geflossen seien, sagte Porr-Vorstandschef Horst Pöchhacker sinngemäß. Auch Hesoun sprach von "Monopolgewinnen" spanischer und französischer Konzerne, die angelegt werden wollten. Er könne sich vorstellen, dass der Einstieg in einen österreichischen Konzern mit Osteuropräsenz strategisch Sinn machen könne.

Die Porr selbst hat im vergangenen Jahr 31 Prozent ihres Umsatzes im Ausland gemacht (Ungarn, Tschechien, Deutschland, Polen, Schweiz, Kroatien). In ein paar Jahren sollen die Hälfte der Porr-Betriebsleistung aus dem Ausland stammen, hieß es. (APA)

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