Sozialminister: "Viele Politiker konsumieren regelmäßig Kokain"

30. Juni 2006, 13:13
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Paolo Ferrero will Fixerräume für Heroinabhängige und sorgt für Streit in der Regierung von Romano Prodi

Rom - Der neue italienische Sozialminister Paolo Ferrero will Fixerräume für Heroinabhängige einführen und sorgt mit seinem Vorschlag für heftigen Streit in der Mitte-Links-Allianz um Ministerpräsident Romano Prodi. Italien sollte sich an anderen europäischen Ländern wie der Schweiz und Deutschland ein Beispiel nehmen und Gesundheitsräume einführen, die Drogenabhängigen zumindest hygienische Verhältnisse bieten, meinte Ferrero.

Saubere Spritzen

Möglichst nicht mehr als zehn Abhängige sollen sich dort so lange aufhalten können, wie sie für die Injektion brauchen, erläuterte Ferrero. Auch Erste Hilfe soll gewährleistet sein. Zur Ausstattung des Raums gehören nach den Vorschlägen des Sozialministers auch ein Waschbecken und saubere Spritzen. Mit der besseren Hygiene will man einer Verbreitung von Aids und Hepatitis vorbeugen. Minderjährige, Dealer oder Abhängige, die Methadon bekommen, sollen dort nichts zu suchen haben, meinte der Minister.

Seine Vorschläge stellte Ferrero, ein Politiker der altkommunistischen Rifondazione, in einem Radiointerview vor. Dabei betonte er, dass Drogenabhängigkeit auch unter Politikern verbreitet sei. "Viele Politiker konsumieren regelmäßig Kokain", erklärte Ferrero.

Kritik

Sein Vorschlag der Einführung von Fixerräumen sorgte für Streit in der Regierung. Familienministerin Rosi Bindi übte heftige Kritik. "Wir wollen zwar das italienische Drogengesetz novellieren, dies bedeutet aber nicht, dass wir vor dem Drogenkonsum kapitulieren sollen", so Bindi.

Legalisierung weicher Drogen

Ferrero hatte sich vor wenigen Wochen für die Legalisierung "weicher" Drogen ausgesprochen. "Wie viele haben in ihrem Leben einen Joint geraucht? Niemand ist daran gestorben", argumentierte der Minister. "Wir müssen gegen den großen Suchtgifthandel vorgehen. Man darf jedoch nicht den Drogendealer mit dem Jugendlichen gleich stellen, der einen Joint raucht", betonte Ferrero. (APA)

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    Der neue italienische Sozialminister Paolo Ferrero will die Drogenpolitik des Landes ändern und handelt sich dafür interne Kritik ein

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